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Avatar von Catharina Lovreglio

ich finde Gabriele Gysi eine sehr kluge Frau, jedoch ihre DDR-Verklärung unertràglich👌🏻🫣Ich habe bis 86 selbst dort gelebt, die DDR war ein Unrechtsstaat par excellence! Das zu beschönigen kommt einer Geschichtsvergessenheit gleich👌🏻🌹

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Avatar von Sebastian Grguric

Moin liebe Lilly,

ich kann Frau Gysi keineswegs ernst nehmen. Zum einen ist sie die Tochter eines ehemaligen DDR-Staatsministers, dessen Aufgaben es zufälligerweise war kulturelle Angelegenheiten in der DDR zu überwachen, zu koordinieren, etc. Es könnte glatt sein, dass Frau Gysi gewissermaßen davon profitierte. Würde Frau Gysi nun behaupten, dass die DDR doch ein Unrechtsstaat war, würde sie ihren Vater, ihre gesamten Familie und zuletzt sich selber in die Verantwortung ziehen. Dadurch, dass sie die DDR weder verteidigen, noch anklagen will, nimmt sie bewusst eine Position ein, in der sie sich nicht abrechenbar macht.

Zitat: "In der DDR sollten der Mensch und seine Bedürfnisse im Zentrum der Vision für ein besseres Leben stehen. Es ging nicht primär um Meinungs- oder Pressefreiheit, sondern um konkrete soziale Möglichkeiten, denen der Staat, mal besser, mal schlechter, nachzugehen versuchte – weil davon seine Existenz abhing."

Dem stelle ich entgegen, dass die DDR ein Besatzungskonstrukt war. Neben den erzieherischen Maßnahmen den Besiegten gegenüber, hatte die DDR die Aufgabe, die auferlegte Kriegsschuld abzuarbeiten. Wenn die Menschen sich bei besagten Raubzug sozialistisch wohl und gut aufgehoben fühlten, umso besser. Man hat 1953 gelernt, was Unruhen für das sozialistische Experiment bedeuten können (Folge: sozialistische Langzeitstrategie).

Insgesamt wirken Frau Gysi und ihr Bruder, der unmittelbar vor der Wende den Dreh vom Systemrechtsanwalt zum Bürgerrechtler vollzog, doch sehr wandelbar auf mich. Immerhin profitierten sie doch sehr vom System der DDR und nun fordert Frau Gysi, dass die Macht, von denen sie einst (und womöglich immer noch) profitierten, doch bitte zivilisatorisch eingehegt wird. Nachtigall, ick hör´dir trapsen.

Dies gilt meinerseits als Kritik an Frau Gysi, nicht an den Artikel an sich. Während man den Artikel liest, fallen die Verhaltensmuster der Menschen und die Muster der äußeren Gegebenheiten auf, die man in der Historie der letzten 100-140 Jahre immer wieder erkennen kann. Die Frage, wie man mit den Machtspielen umgeht, basiert also auf historischen Beobachtungen und weist eine Aktualität auf, die erschreckend ist. Man erkennt ganz klar die Parallelen zwischen den Zeiten und Politsystemen, man kennt die Auswirkungen und Entstehungsweisen und doch rennt man immer wieder eine Ehrenrunde im Hamsterrad. Wie kann der Einzelne damit umgehen und kann ein "rebellisches" Verhalten Einzelner gar Auswirkungen auf das Kollektiv haben und somit derlei Machtstrukturen zu Fall bringen, vorausgesetzt der Einzelne erkennt diese Machtstrukturen und somit die Schwächen dieser Strukturen?

Ist der Entzug der Zustimmung der Anfang?

Herzliche Grüße,

Basti

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