8 Kommentare
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Avatar von Waldgänger Tom

In Anbetracht sich global verbreitender geistig-ideologischer Krankheit ist heute wohl nicht nur das Problem der Heimatlosigkeit und einer gewissen inneren Einsamkeit vorhanden, sondern auch, dass man überall Menschen begegnet ;-) Am Fusse der Bündner Berge zieht es mit mittelfristig weiter in die Berge, langfristig in die Weiten Russlands (oder vorher Kanadas) - wenn die familiären Verpflichtungen soweit erfüllt sind. Ich meine, die Beschäftigung mit dem Selbst als auch der geistigen Welt ermöglicht es mir hoffentlich, "in mir selbst Heimat gefunden zu haben". Es fühlt sich zurzeit, auch der Plandemie sei ein wenig Dank, zumindest so an.

Danke Lilly fürs Anregen von Gedanken.

Avatar von Lilly Gebert

Ja, ich weiß zu gut, was du meinst. Hier in meinem Talende leben ja gefühlt auch nicht viele Menschen, in meinem Dorf nur knapp 40, aber dennoch fühlt sich selbst das für mich an manchen Tagen als "zu voll" an. Und wenn dann auch noch die Touristen kommen und "die Natur erkunden" wollen, oder einfach nur Rundfahrten aus ihren klimatisierten Autos heraus durch die Bergstraßen unternehmen, bekomme ich regelrecht Fluchtgedanken - auch nach Russland beispielsweise. Irgendwo ins Nirgendwo. Wo menschliches Leben noch möglich ist.

Dir alles Liebe und Danke für den ebenfalls anregenden Kommentar.

Avatar von Eckhard Umann

Die NYT macht derzeit eine Publikumsbefragung zu den besten Filmen des Jahrhunderts. Die üblichen Verdächtigen (aus Hollywood). Man kennt dort schöne Menschen, tragische Lieben und sich verwandelnde Insekten aus fremden Welten. Man kennt keinen Egmont, keinen König Lear, keinen Harry Haller (höchstens Rockbands...), keiner fragt nach der Parasuizidalität Joseph Knechts oder warum Andrej Rubljow 10 Jahre schwieg. Geh und Sieh! scheint dort kein guter Film zu sein (zuviele eigene Leute dabei). Und - falls ich auswandere, kann ich ja nicht mehr in Wer wird Millionär mitmachen!

Avatar von Eckhard Umann

Nun, Hesses Umzug 1912 in den Bezug zum 1. WK zu setzen ist natürlich ein "im Nachherein ist man immer schlau" und setzt heute eine Kausalität, die Hesse damals wohl nicht hat sehen können. Das dürfte für so ziemlich alle menschliche Entscheidungen des Lebens gelten - tragische wie glückliche. Hesse hat das in Narziss & Goldmund durchdacht und - in meinen Augen - keinem Recht gegeben

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Sep 7, 2025
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Avatar von Lilly Gebert

Lieber Basti,

schade, bin ich nicht früher dazu gekommen, deinen Kommentar zu beantworten. Und gleichzeitig ist es so passend, dass ich ihn gerade jetzt, nachdem ich 5 Stunden Traubensaft eingekocht habe, nochmals lese. Hier steht immer noch ne Kiste mit Trauben und ich bin müde. Dennoch ist da immer so eine schöne Vertrautheit, wenn ich von dir hier in den Kommentaren, als auch in den Mails lese. Danke dafür auf jeden Fall.

Was das Motiv eines solchen Tuns ist? Ich denke Ohnmacht ist bestimmt ein Teil davon, aber es ist ja nicht nur Flucht. Ich empfinde solche Sachen vielmehr als Hinwendung zum Leben, zum Lebendigen, zum Wahren. Handlungsfähigkeit, ja, schon, Selbstwirksamkeit, Resilienz, alles wichtig. Aber ich kann noch so viele Bücher lesen, wahrhaft sinnstiftend empfinde ich die Momente, wo ich was mit meinen Händen mache (außer tippen). Einkochen, Gärtnern, Dinge sammeln, Werkeln usw. Es ist das Gefühl, nicht abgespalten zu sein - zumindest nicht für einen Moment oder ein paar Stunden. Diese Augenblicke möchte ich mehren und in ihnen Heimat finden.

Dir und deiner Familie alles Liebe,

Lilly

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Oct 23, 2025
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Avatar von Lilly Gebert

Lieber Basti,

bevor ich mich an die Kommentare vom letzten Text mache, zuerst zu dir:

Es ist verrückt, wie verzerrt das eigene Lesen doch sein kann. Als mir dein Kommentar als Nachricht angezeigt wurde, hab ich zuerst sowas gelesen wie "gelesen, und den ganzen Tag nicht verstanden". Total absurd und nicht gerade von einem gesunden Selbstwert zeugend. Oder eben, wie im letzten und nächsten Text geschrieben, das Scham- und Schuldthema widerspiegelnd.

Aber zurück zu den Trauben: Ich hatte vielleicht so 8-10kg Trauben und daraus jetzt 5 Liter gewonnen, vielleicht etwas mehr. Weckgläser hab ich auch - reichlich, aber die nutz ich für andere Sachen. Für den Traubensaft hab ich mich jetzt bemüht, die paar Flaschen, die ich hab, zusammenzusammeln.

Ich genieße solche Beschäftigungen auch sehr - auch wenn es nach 3 oder 4 Stunden dann langsam echt müßig wird und, wenn man - gerade bei Traubensaft - nicht regelmäßig hinterherwischt, auch das Chaos wächst.

Aber genauso mit dem Gärtnern oder handwerklichen Tätigkeiten: Tatsächlich schafft in diesen Fällen mal Materie Geist und nicht umgekehrt. Wenn ich mit Holz arbeite, scheitere ich jedes Mal, wenn ich meine Idee gegen das Holz zu richten versuche. Die Idee entsteht aus dem Holz. Nicht das Holz aus der Idee.

Dir alles alles Liebe,

Lilly

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Oct 31, 2025
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Avatar von Lilly Gebert

Lieber Basti,

danke fürs Nachsinnen meiner Zeilen, hat sich aus meiner Sicht sehr gelohnt. Denn ja, irgendwas scheinen Seelen wie meine oder die deiner Tochter mit auf diese Welt gebracht zu haben. Da sind Widerstände, die ich mir allein aus meinem Charakter oder eigens gemachten Erfahrungen nicht erklären kann. Und gleichzeitig, den Gedanken hab ich auch im Buch immer wieder aufgegriffen, wollen uns diese Widerstände und Schmerzen ja nichts "Böses". Vielmehr wollen sie uns daraufhin weisen, wo es für uns - mal ganz euphemistisch ausgedrückt - noch etwas zu entdecken gibt. Und dafür können wir eigentlich dankbar sein. Daher: Ich will mich nicht beschweren und gleichzeitig nicht immer dafür rechtfertigen, dass meine Bekundigungen sich wie Beschwerden anhören können. Es kommt alles zu seiner Zeit und wird auf die Weise für uns erkenntlich, wie es uns in unserer Entwicklung hilft. Ich persönlich finde es auf jeden Fall sehr schön, wenn auch keineswegs verwunderlich, dass du eine so starke Tochter hast.

Zum Saft habe ich auf einen Liter nen Esslöffel Rohrohrzucker hinzugegeben. Aber nicht verdünnt oder sonstiges. Andernfalls wäre er aber auch wirklich zu sauer geworden. Ich glaube übrigens, dass es mehr als 8kg Trauben gewesen sind. Wenn ich mich so recht entsinne, konnte ich die eine Kiste kaum tragen zum Schluss. Dann geht die Rechnung auch wieder auf.

Und ja, das Holz. Ich hatte zuletzt ja auch mal einen Artikel über Sven Schilling veröffentlicht. Ein befreundeter Künstler, der unter anderem mit Eiche arbeitet. Und dieses "Arbeiten" an seine Werke weitergibt. Auch sie leben, sind im ständigen Wandel.

Von der Salbe nehme ich gerne. Ich bin Anfang Dezember einmal in Deutschland, und dann wieder zwei Wochen später zu Weihnachten. Je nachdem, wann die Salben fertig sind, könntest du sie mir an die eine oder andere Adresse zukommen lassen.

Ganz herzlich,

Lilly

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Nov 1, 2025
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