Liebe Männer,
so wird das nichts.
Ebenfalls aufgewachsen in einer Blase, in der es als selbstverständlich galt, dass Männer alles können – alles bauen, alles einbauen, alles neu bauen –, wurde ich relativ schnell von der übrigen Männerwelt enttäuscht. Schlussendlich war immer ich diejenige, die Wände gestrichen, Möbel getragen und abgeschliffen oder Bilder und Spiegel an die Wand gedübelt hat. Alles Fähigkeiten, die ich gerade jetzt, wo ich alleine lebe, zu schätzen weiß. Die ich aber nicht unbedingt an mir, sondern lieber an einem Mann zu schätzen wüsste. Nicht, um es dann selbst nicht machen zu müssen, sondern weil ich in diesem ewigen Alleingang lerne, niemanden zu brauchen. Und merke, dass je mehr Probleme eine Frau nicht nur alleine lösen kann, sondern am Ende auch alleine lösen muss, ihr umso weniger von dem Gefühl übrigbleibt, derzeit überhaupt einen Partner zu haben – oder jemals wieder einen zu brauchen.
Mit dieser Hyperautonomie bin ich nicht allein. Immer öfter höre ich von Frauen, dass auch sie des Bittens und Wartens leid sind, und stattdessen anfangen, nicht nur Hammer und Bohrmaschine selbst in die Hand zu nehmen, sondern ihr gesamtes Leben ohne Männer zu gestalten. Sie wie ich fragen uns: Was sucht Frau heute, suche ich in einem Mann, fallen die altgewohnten Aufgaben von Versorgung, Geschick oder Problemlösung nicht nur nicht mehr ihm zu, sondern auf uns zurück? Was hat Mann heute noch zu bieten, was Frau davon überzeugen könnte, ihre Freiheiten neu zu verhandeln? Und was kann – im Umkehrschluss – Frau Mann bieten, sodass dieser ihre Freiheit nicht als Untergrabung seiner Männlichkeit sieht? Oder wäre das bloß eine weitere Aufgabe, die Frau Mann abnimmt und mit der beide nie in Ausgleich gelangen? Und ist das überhaupt das Ziel: Ausgleich und Harmonie im Sinne von Yin und Yang? Oder besteht die Aufteilung der Geschlechter nicht vielmehr aus einem ewigen Gegenspiel, dessen letztendliche Entladung auch ihren Erhalt garantiert?
«Wir lieben immer noch – dennoch;
und dieses ‹dennoch› hüllt ein Unendliches.»
― Emil M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit
Anerkennung – jederManns Geißel
Auch hier kann ich nur für mich und die Frauen sprechen, die ich kenne. Denn ja, irgendwo zwischen Feminismus und Tradwife-Bewegung gibt es noch uns: Frauen, die ihr Leben fernab jeglicher Trends und Erwartungen mit Verstand und aus dem Herzen leben wollen. Wir sind Individuen. Zu selbstständig, um der antinatalistischen Propaganda zu verfallen, deren Matriachatsdefinition Männern ihre Rolle in der Familie und bei der Fortpflanzung abzusprechen versucht. Zu klug, um nicht zu erkennen, dass Frieden nur möglich ist, wenn Mann und Frau beginnen, sich selbst und einander auch als solche zu sehen. Zu bewusst, um zu leugnen, dass wir uns dennoch einen Partner an unserer Seite wünschen. Zu frei, um weiterhin Kompromisse einzugehen, deren Einschränkung unserer Freiheiten – ohne den Ausgleich durch neue Möglichkeiten – sich mehr wie eine Reduktion unserer Individualität anfühlt denn wie ihre Erweiterung. Unser Leben ist bereits voll – erfüllt von Freundschaft, Begegnung, Herausforderung und Entwicklung. Da ist keine Zeit, auf ihn zu hoffen und zu warten – «den Einen». Seine Rolle als Hauptdarsteller in unserem Leben wurde ohnehin neu besetzt – durch uns. Und als solche sind wir nicht länger bereit, den Mond zu spielen, der um eine Sonne kreist, die uns zwar erleuchtet, aber nicht wärmt.
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In meinen Augen ist diese Bewegung erst einmal gut. Sie ist ein weiterer Schritt in Richtung Freiheit als Auflösung von Abhängigkeiten – ohne, wie vielerorts im Feminismus, deshalb gleich neue Zwänge produzieren zu müssen oder finanzielle Nöte bloß vom Mann auf den Staat zu verlagern. Ich beobachte, wie in dieser Dynamik das eigentliche Grundübel – die Fortführung von Täter-Opfer-Dynamiken – nicht fortgesetzt, sondern aufgelöst wird. Oder anders gesagt: Der Widerwille, die eigene Lebensführung an jemand anderem als an uns selbst ausrichten zu sollen, welcher bislang eher an Männern bewundert wurde, und bei Frauen auch nur dann, wenn sie dabei das Bild der «Femme fatale» abgaben, hat sich längst in dem Maß auf Frauen übertragen, als dass sie sich diesen nicht mehr nur einverleiben, um den Männern eins «auszuwischen». Hier geht es nicht um Anerkennung durch andere das andere Geschlecht. Es geht um die Anerkennung durch einen selbst – auch dann, wenn diese beim Gegenüber ausbleibt. Diese Frauen wissen: Sicherheit ersetzt keinen Selbstrespekt. Denn wo er fehlt, kann auch die ihm vorgezogene «Sicherheit» in dem Nichts verschwinden, aus dem sie geboren wurde.



Nicht immer aus Mangel an Selbstrespekt, sondern oft aus Unvermögen, ihn ungestraft nach außen hin einzufordern, haben Frauen über Jahrhunderte aus Angst vor Spott, Verbrennung oder davor, als «hysterisch» zu gelten und in Nervenheilanstalten gesperrt zu werden, ihre wahren Gedanken und Gefühle runterschlucken und ihre als solche empfundenen Grenzen nicht zum Ausdruck bringen dürfen. Nach außen haben sie funktioniert, doch in ihnen herrschte ständige Alarmbereitschaft. Aus Hilflosigkeit, für diese keinen Ausweg zu wissen, ohne gleichzeitig alles zu verlieren, haben sie sich verbogen, ihre Kehlen zugeschnürt, sich innerlich regelrecht verkrüppelt, sodass bis heute viele Frauen Probleme damit haben, ihre wahren Bedürfnisse auszusprechen, und entsprechend unter Angststörungen oder oder chronischen Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse leiden.
Der anhaltende Glaubenssatz, ihr Leben nicht steuern zu dürfen oder zu können, hält sie dazu an, Mechanismen zu entwickeln, um stattdessen ihren Körper kontrollierbar zu machen – sei es durch restriktives Essverhalten oder andere Kontrollzwänge. Der Überlebensmechanismus, sich lieber anzupassen, statt aufzufallen, sitzt so tief, dass sie bis heute Beziehungen führen, die ihnen nicht gut tun – und die am Ende auch keine echten Beziehungen sind. Denn indem es nicht sie sind, die dort in «Beziehung» treten, sondern ihre Muster namens «People-Pleasing», bei dem sie ihre eigenen Bedürfnisse unterdrücken, die «Co-Abhängigkeit», bei der sie die Verantwortung für andere übernehmen, oder die «Hyperautonomie», bei der sie sich komplett selbstständig isolieren, fehlt es auch ihrem Gegenüber an Kontaktfläche, mit der er wahrhaft in Beziehung treten könnte. In diesen Schutzmechanismen, dem Glauben, dass wahre Bedürftigkeit gefährlich ist, bleibt die Zweisamkeit einsam und das Wahre auf ewig im Verborgenen.
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Muster ohne Macht und Ohnmacht
Anders erlebe ich die Frauen, die dieses Wahre zu ihrem obersten Gebot gemacht haben. Sie sind nicht nur nicht mehr dazu bereit, sich selbst hintenanzustellen, sie tragen auch keine Lügen und Halbwahrheiten mehr mit und verschwenden nicht erneut Zeit darauf, einen Mann «zu erziehen». Sie haben keine Angst mehr, «zu laut» oder «unbequem» zu sein. Sie stehen zu ihrer inneren Wahrheit – und wollen gleichzeitig niemanden zu dieser zwingen.
Eine Errungenschaft, die unter der Bedingung der Klärung mit sich selbst auch eine Klärung innerhalb der Gesellschaft nach sich zieht: Während unterdrückte Bedürfnisse sich oft durch Rückzug oder passiver Aggressivität in Form von Sarkasmus und Manipulation zeigen, werden alle diese Methoden verdeckter Machtausübung in dem Moment überflüssig, wo Emotionen und Bedürfnisse klar kommuniziert werden können. Wenn die Möglichkeit besteht zu gehen, ist keine emotionale Erpressung mehr nötig, um die eigene Ohnmacht – das Gefühl, nicht gehen zu können – durch Kontrolle oder Manipulation zu kompensieren.
«Alle unsere Rachegefühle entstehen daher,
dass wir uns selbst nicht erfüllen können,
weil wir unter unserem Niveau bleiben.
Das werden wir den anderen niemals verzeihen.»
― Emil M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit
Das jedenfalls erlebe ich seit ein paar Jahren. Während Frauen über Generationen hinweg Beziehungen aus Angst und Sicherheitsbedürfnis geführt und dafür in Kauf genommen haben, in ihrem Wesen nicht gesehen zu werden, wünschen sich immer mehr Frauen eine Beziehung, in der sie nicht ständig das Gefühl haben müssen, sich aus Angst vor Streit und Trennung selbst reduzieren zu müssen. Allerdings mit der Kehrseite, dass ihre Selbstständigkeit oft im Alleinsein, vielleicht sogar im Einsamsein endet. Ob es den Männern im Umkehrschluss genauso geht? Ich denke ja.
Paradox scheint mir nur, dass diese offene Bedürfniskommunikation die Kontaktfläche zwischen Frauen erhöht, ihnen die Partnerwahl jedoch um ein Vielfaches erschwert.
Liegt es vielleicht daran, dass ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Frauen weniger tragen muss – weniger Mythos, weniger Erwartung, weniger Angst vor Entwertung? Dass dort Nähe entstehen darf, ohne dass sie sofort als Gefahr gelesen wird? Ohne dass Verletzlichkeit automatisch zu Abhängigkeit oder Beschämung wird?
Oder liegt es – vielleicht – daran, dass Männer es noch weniger gelernt haben als wir Frauen, Gefühle offen auszusprechen? Nicht, weil Männer weniger fühlen, sondern weil sie oft nicht gelernt haben, ihre Gefühle zu benennen oder offen auszudrücken. Nähe wird ihnen häufig eher als Handlung beigebracht – etwas, das man tut –, statt als Zustand, in dem man gemeinsam bleibt. Und/oder offenbart sich zwischen einem noch verschlossenen Mann und einer sich «gehäuteten» Frau nicht vielmehr ein neues Machtverhältnis? Eines, das fernab von Status oder Stärke verläuft, entlang von Bewusstsein? Entlang der Fähigkeit, Nähe auszuhalten, ohne sie zu kontrollieren?
Und ob dieses neue Verhältnis den Mann deshalb überfordert, weil er dafür noch keine Kompensationsmechanismen entwickeln konnte – weil er spürt, dass seine alten Mechanismen nicht mehr funktionieren? Dass Distanz nicht länger als Souveränität gilt, Schweigen nicht mehr als Durchhaltevermögen, und Unberührbarkeit nicht mehr als Zeichen von Autorität? Oder anders gefragt: Wie lassen sich neue Beziehungsstrukturen entwickeln, ohne in alte Muster zu verfallen und die Entwicklung des einen Geschlechts abermals auf Kosten des anderen zu vollziehen? Wie kann das, was ohnehin bereits aufbricht, kommuniziert werden, ohne es aufgrund alter Verletzungen dem unbeteiligten Gegenüber anzulasten? Wie durchbrechen wir diesen Kreislauf ewiger Schuldzuschiebung zwecks Verdrängung der eigenen Unzufriedenheit? Wie kann Ehrlichkeit an die Stelle von Sicherheit treten, Bindung an die Stelle von Abgrenzung und Vertrauen an die Stelle von Angst?
Meine Antworten an dieser Stelle sind vielfältig. Die erste jedoch ist abzuwarten: Die ohnehin angebrochene Zeit nicht dazu zu nutzen, irgendwas erzwingen zu wollen, sondern sich selbst besser kennenzulernen. Wie schließlich kommt das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle innerhalb einer Beziehung zustande? – Es ist immer eine Kompensation für die Unsicherheiten im eigenen Inneren. Solange wir für diese nicht selbst die Verantwortung übernehmen, werden wir sie in unsere Beziehungen projizieren und diese damit so sehr belasten, dass kein Raum mehr für das besteht, was wir uns eigentlich wünschen: Nähe.
Kontrolle verhindert Nähe. Und Druck erzeugt Gegendruck – erst recht, wenn er innerhalb eines eigentlich als vertraut geglaubten Verhältnisses stattfindet und auf etwas ausgeübt wird, das nicht der unmittelbar eigenen Kontrolle unterliegt. Wer Druck auf innere Prozesse ausübt, erreicht das Gegenteil: nicht mehr Nähe, sondern eine Verknüpfung der stressauslösenden Person mit dem eigentlich stressauslösenden Thema. Das Nervensystem lernt: Will ich Stress verringern, muss ich diese Person auf Abstand halten. Anders verhält es sich mit Geduld und Ehrlichkeit. Sie schaffen einen Raum, in dem nichts «muss» und stattdessen Nähe entstehen kann. Was im Umkehrschluss bedeutet: Solange wir nicht ehrlich mit uns selbst sind und uns nicht eingestehen, dass wir oft keine Beziehung suchen, sondern bloß eine Ablenkung von uns und unseren Problemen, wird sich das Prinzip, das wir im Außen anwenden, nach und nach auch auf unser Inneres übertragen. Wir entfremden uns von uns selbst, bis uns nur noch eine ernsthafte Krankheit an das Bedürfnis erinnern kann, das wir einst so erfolgreich verdrängt haben.
Zwischen Raum und Grenzen: Der Kern von Beziehung
Viel davon erkenne ich wieder – nicht nur in anderen, sondern auch in mir. Denn wer gelernt hat, im Alltag beide Rollen zu übernehmen, wird nicht selten so autonom, dass Nähe schwierig wird. Es festigt sich das Bild von einem Selbst ohne die anderen. Im Negativen wie im Positiven: Während das Ausmalen des Eigenen die Kompromissbereitschaft dem anderen gegenüber senkt, verschafft seine Konturierung auch Klarheit. Es wächst der Wunsch nach einem Gegenüber, das ebenfalls bei sich bleiben kann – und einem den Raum lässt, dies ebenfalls zu sein. Ob das bereits die entscheidende Qualität ist? Vielleicht eher die Bedingung für alles Weitere.
Haushalt, Kochen, Geldverdienen, Bildung, Selbstversorgung, künstlerische Freiheit, Freundschaften – im Grunde sind wir Frauen heutzutage auch ohne Männer mit vielem versorgt. Weshalb jede rein körperliche Bekanntschaft schnell zu enden droht. Das Fehlen einer tieferen Ebene tritt schneller zum Vorschein. Was schließlich suchst du bei einem Menschen, von dem du nichts erwartest, was du nicht auch anderswo erhalten könntest? Verbundenheit. Das Gefühl, etwas Heiliges miteinander zu teilen. Menschen sind kein Zeitvertreib, kein Amusement. Wo sie drohen, zu solchem zu verkommen, bin auch ich lieber allein. Nichts ist trauriger als die Einsamkeit zu zweit – zu spüren, dass du selbst in der Verbindung mit einem Menschen unverbunden bist.
«Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine. Kennst das Leben.
Weißt Bescheid. Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.»
― Erich Kästner, Kleines Solo
Was mich zu der eigentlichen Kluft zwischen Männern und Frauen führt: Jede Frau, mit der ich in Kontakt bin, befindet sich heutzutage in einem «Prozess» mit sich selbst. Nicht solipsistisch, sondern als Folge der Erkenntnis, dass sie, so wie sie ihr Leben bislang geführt hat, nicht glücklich war. Dass ihr etwas gefehlt hat, oder vielmehr; sie etwas in sich trug, was sie sich vom Leben hat getrennt fühlen lassen. In den meisten Fällen heißt dieses «etwas» Beziehung. Oder vielmehr: das Fehlen einer lebendigen, sicheren Beziehung. Diese Frauen sind mit einer «Beziehung» zu sich, dem Leben, Männern und Menschen im Allgemeinen aufgewachsen, die sie mit diesen auch später nicht hat in Beziehung gehen lassen.
Ausgelöst durch was auch immer, haben diese Frauen erkannt – oder befinden sich auf dem Weg dorthin –, dass sie Beziehungen künftig anders führen möchten. Und dass es nie allein an den Männern lag, dass diese bisher nicht funktioniert haben. Es waren die unbewussten Anteile beider «Seiten», die zu jenen altbekannten Mustern der gegenseitigen Schuldzuweisung und Abgrenzung geführt haben. Wobei das große ABER folgt: Im Gegensatz zu Männern, die für mein Empfinden viele Probleme noch immer bei den Frauen suchen, schauen die Frauen zu sich – in sich – und übernehmen auch dort Verantwortung für ihr eigenes Glück.


Eine gemeinsame Wirklichkeit
Mir geht es da ähnlich. Auch ich bin nicht mehr bereit, einen grundlegenden Anteil an Unbewusstheit mitzutragen – weder über die Umstände noch über das eigene nicht integrierte Innenleben. Ich bin weder jemandes Mutti, die Streicheleinheiten verteilt, noch die unbezahlte Psychotherapeutin, die ihren Partner nicht überfordern oder in jahrelanger Sprechstunde halten will. Ich bin auch kein Pfarrer, der nur zuhört, ohne selbst kritisches Urteil zu fällen. Ich zwinge mich niemandem auf – und doch gibt es einen Raum, den wir gemeinsam bewohnen. Wie ausgedehnt und wie belebt dieser ist, hängt davon ab, inwieweit wir die Grenzen des anderen akzeptieren – und zugleich bereit sind, die eigenen behutsam zu verschieben. Ein gemeinsamer Raum ohne das Vertrauen, dass vom jeweils anderen nichts in hineingetragen wird, was diesen in seinen Grundfesten erschüttern könnte, wird schnell starr und stumm. Ein gemeinsamer Raum ohne die Möglichkeit, in diesen etwas hineinzutragen, was ihn in seinen Grundfesten erschüttern könnte, jedoch auch.
Das Leben ist keine Therapiesitzung, in der geraten wird, den Kontakt abzubrechen, anstatt ihn zu fühlen. Einen nahestehenden Menschen mit der Wirklichkeit zu konfrontieren, hat nichts mit Böswilligkeit zu tun. Es ist auch kein Angriff, sondern der Versuch, in der Verbindung zu bleiben. Weshalb es auch nicht unsensibel ist, jemanden auf seine blinden Flecken hinzuweisen. Unsensibel ist, von anderen zu erwarten, die eigene Blindheit mitzuschleppen.
«Das eigene Gehirn spüren: ein Phänomen,
das dem Denken und der männlichen Potenz
gleichermaßen zum Verhängnis wird.»
― Emil M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit
Was ich damit sagen will? In Beziehung zu sein bedeutet immer auch, Dinge aushalten zu können. Das Resultat dieser Unfähigkeit, mit sich selbst und den eigenen unerwünschten Gefühlen zu sitzen, sehen wir in der heutigen Beziehungskultur: Menschen fliehen vor sich selbst – entweder, indem sie immer dann den Partner wechseln, wenn dieser anfängt, sie an sich selbst zu erinnern; oder indem sie den einen Partner wählen, der sie für immer vergessen lässt, wovor sie einst geflohen sind. Nicht, weil dieser Partner ihnen den Halt gäbe, das Unangenehme auszuhalten und auszufühlen. Nein – der Schlüssel solcher Beziehungen heißt Verdrängung.
Und genau diese Verdrängung sind viele Frauen – und auch ich – nicht mehr bereit mitzutragen. Es geht nicht darum, in anderer Menschen Leben herumzupfuschen oder sie zu Erkenntnissen zu drängen, für die sie noch nicht bereit sind. Es geht um das, was folgt, wenn zwei Menschen sich zueinander hingezogen fühlen und sich – bestenfalls – füreinander entscheiden. Die Zeiten, in denen wir unsere Intuition als mögliches Kriterium zur Wahrheitsfindung fallen gelassen haben, nur um ein männliches Ego nicht zu irritieren, sind vorbei. Wer meine Wahrnehmung von vornherein abwertet, weil sie nicht in sein Selbstbild passt, wird mich ein letztes Mal gehört haben. Ich subventioniere weder Hybris noch Verdrängung.
Und ich bin nicht allein damit. Immer mehr Frauen entscheiden sich, nicht länger mitzuspielen. Wir haben längst die Wahl. Und ihr, liebe Männer, auch.
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Die ersten Termine für Lesungen zu meinem Buch Sein statt Haben stehen bereits:
Am Donnerstag, den 12. März um 19 Uhr in der Studio MandoLina in der Kaiser-Joseph-Strasse 265, 79098 Freiburg (alle Infos hier).
Am Freitag, den 13. März um 17.30 in der Friedrichstraße 12 in 69412 Eberbach. (Da es eine bestimmte Anzahl an Plätzen gibt, sind wir sehr froh, wenn ihr Euch bei Sabine (Sabine.belz@yoga-eberbach.de) oder Anja (Anja.sonnenlicht@gmx.de) anmeldet.
Für Lesungen im Norden Deutschlands plane ich aktuell die letzten drei Juniwochen. Konkret in Aussicht sind derzeit Minden/Westfalen, Nienburg an der Weser, Cammer, genauso wie Berlin und Rendsburg.
Für die Schweiz sind Basel und Langenthal angedacht. Infos folgen.
Verfügen auch Sie über einen kleinen Saal oder ein größeres Wohnzimmer, in dem 20 bis 50 Personen bequem Platz finden? Dann schreiben Sie mir gerne an lillygebert@posteo.de – und vielleicht können wir uns schon ganz bald auf einen gemeinsamen Abend (oder Nachmittag) freuen.
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Kontoinhaber: Lilly Marie Gebert
IBAN Deutschland: DE13120300001056704222
IBAN Schweiz: CH97 0839 2000 1604 6030 1
Verwendungszweck: Spende Substack (Beispiel)
Vielen Dank. Für alles weitere schreiben Sie mir gerne an lillygebert@posteo.de, abonnieren Sie meinen Telegram Kanal, oder verfassen einen Kommentar.





Liebe Lilly, vielen Dank für das Zeichnen deiner Erlebnislandschaft zu uns Männer. Sobald ich meine unerfüllten Bedürfnisse und Vorstellungen mit meinen eigenen Ressourcen aufgefüllt habe. Wächst da ein Wunsch, diese neue Qualität diese neue Fülle mit einem anderen Menschen, der auch seine Ressourcen kenn zu verbinden. Und auch dann ist es immer wieder eine Bewegung wie ein Pendel, von Nähe und Distanz - jedoch mit dem Unterschied, dass ich eine Gewissheit habe, dass dieser Mensch auch in stürmischen Zeiten um diese Verbindung weiss. Ja und vielleicht kommen wir sogar so weit, dass wir erkennen, dass wir einander ein Geschenk wo wir erfahren können, wie sich Vertrauen wirklich anfühlt wenn wir als Mensch erkannt und geliebt werden.
Herzlichen Dank, Lilly, für diese Worte, die mir sehr nahe gehen. Zeigen sie doch einmal mehr, das unsere schöne, neue, technisierte, immer schneller drehende Welt mit all ihren Verlockungen, Ängsten, Geschichtslügen, Vergiftungen aller Art und den andauernden gerichteten Eingriffen in die Beziehungsentwicklung oder -abwicklung uns zu Fragmenten einer Gesellschaft hat werden lassen, die den Sinn der Existenz des jeweils anderen Geschlechts nicht mehr erkenn können. Niemals in der Vergangenheit gab es so viele Singlewohnungen, wie jetzt, die Geburtenrate ist mit derzeit 1,35 so niedrig, das das deutsche Volk sich gerade selbst abschafft. Familienförderung mit Sinn sehe ich kaum, Kinder werden oft in Familien zu Erwachsenen, in denen sämtliche Werte verdreht sind, das Tablet wichtiger ist als eine gemeinschaftliche Unternehmung. So gut wie alle von uns, ich schließe mich da nicht aus, unterliegen einer katastrophalen Vereinzelung, die es wahrscheinlich so noch nicht gegeben hat. Vor dem sogenannten technischen Zeitalter (erste industrielle Revolution) gab es ein waagerecht ausgerichtetes Zwischenmenschliches Verbindungsgeflecht, in dem so gut wie jeder seinen Platz hatte. Unsere erlernte Sicht spricht heute von Armut, aber gab es damals nicht doch etwas mehr von dem, was heute rar ist: Nähe, Halt und eine ganz andere Anziehung zwischen Weib und Mann? War nicht Gemeinschaft eines der stärksten Güter zu der Zeit? Und ist nicht das Verhältnis beider Geschlechter zueinander eine der Grundvoraussetzungen für ebendiese?
Diese Kraft ist uns genommen worden. Heute sitzen die meisten von uns hübsch vereinzelt in ihren Häusern oder Wohnungen, die Generationen voneinander getrennt, die Kinder abgegeben in Krippe, Kindergarten, Schule mit Verblödungsgefahr, die Senioren meist ausgeladen in betreutes Wohnen der Altersklasse. Wir sind zudem auch in fast allen Lebensbereichen ausschließlich senkrecht angebunden: an unser allzu tollem Google-Konto, an den gütigen Arbeitgeber, der auch die Frauenquote erfüllen muss, an all den großen Supermärkten, unfreundlichen Banken, unehrlichen Medien. In dieser schrägen Welt kommt so einiges unter die Räder und es ist so schade, dass wir uns hierher haben treiben lassen.
Gerade jetzt in dieser Zeit, in der immer mehr Menschen zum Nachdenken angeregt werden und sich auf dem Weg machen, genau denjenigen wiederzufinden, der sie ja bei ihrer Geburt schon waren, sollten wir aufmerksam sein, um genau diese kleinen Blumen der neuen Gesellschaft, die jetzt zu reifen beginnt nicht aus versehen zu zertreten. Menschen können sich ändern, Frauen und Männer, nicht immer, nicht alle, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es funktioniert.