Mensch ohne Brust
Die Abschaffung des Absoluten: Warum seine Umerziehung den Menschen nicht «gut» werden lässt. | C. S. Lewis 1/3.
«Wir schaffen Menschen ohne Brust und erwarten von ihnen Tüchtigkeit und Einsatz. Wir verlachen die Ehre und sind entsetzt, Verräter unter uns zu finden. Wir kastrieren und fordern Fruchtbarkeit von den Verschnittenen.» ― C. S. Lewis
Hat schon einmal jemand versucht, dir dein Gefühl für die Welt madig zu machen? Es von der Welt selbst abzuspalten? Dir vermitteln wollen, Gefühle bildeten keine Aussage über die Wirklichkeit? Dass sie kein objektives Urteil über den Wert der Dinge als solche enthalten? Und dass du als einzelnes Subjekt ohnehin nicht von selbst erkennen könntest, worin dieser besteht? Ja – hat dich schon mal jemand so fühlen lassen, als sei dein Zugang zur Wirklichkeit nichts als eine emotionsbasierte Realität, die dich davon abhält, die eine, wahre «Wirklichkeit» zu erkennen?
Ob in Beziehungen oder in der Politik: Das Herabsetzen von Menschen, die ohnehin schon vieles hinterfragen, dadurch, ihnen einreden zu wollen, dass ihr eigenes – immer subjektiv bleibendes – Hinterfragen nie zu einem objektiven Schluss kommen würde, wird heute auch als «Gaslighting» bezeichnet. Also als eine Form der psychischen Manipulation, bei der das eigene Realitäts- und Selbstbewusstsein einer Person systematisch untergraben wird. Dem «Opfer» wird eingeredet, seine Wahrnehmung sei unzureichend, unzuverlässig oder gar wertlos – bis es das Vertrauen in sein eigenes Urteilsvermögen verliert.
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Diesen Mechanismus, Menschen sukzessive, aber langfristig von sich selbst, ihrer Intuition und eigenen Wahrnehmung zu trennen, erkannte der irische Literaturwissenschaftler und Autor C. S. Lewis bereits vor über 80 Jahren. Im Februar 1943 hielt er an der Universität Durham drei Vorlesungen, die er danach unter dem Titel Die Abschaffung des Menschen veröffentlichte.
In diesem schmalen Bändchen, das für viele als sein wichtigstes Werk gilt, argumentiert Lewis, dass Schüler nicht durch das Ausmerzen «falscher Gefühle» zu «richtigen Neigungen» erzogen werden könnten. Vielmehr sei es Aufgabe von Schule und Elternhaus, Erziehung auf moralischen Gesetzen und objektiven Werten zu begründen, die der nachkommenden Generation das Erkennen des «Echten» – nicht bloß des «Richtigen» – ermöglichen. Den eigentlichen Feind des Absoluten sah Lewis folglich nicht in der subjektiven Empfindung als solcher, sondern im Versuch derer, ihre subjektiven Werte als vermeintlich objektiv gelten zu lassen und auf diese Weise all jenen, die noch einen inneren Zugang zu den Dingen besaßen, diesen im Namen eines vermeintlichen «Fortschritts» abzusprechen.
Doch wer oder was definiert überhaupt, was wahr ist? Was wir als richtig und schön empfinden? Wie wir Ästhetik definieren und wie Moral? Gibt es Maßstäbe, die wir nicht selbst hervorbringen, sondern unabhängig von uns in der Welt vorfinden? Auf welcher Grundlage urteilen wir, wenn nicht auf etwas, das über uns hinausweist? Und was geschieht, wenn wir genau diese übergeordneten Maßstäbe infrage stellen? Was bleibt, wenn wir alles «Höhere» verwerfen? Fortschritt? Oder doch nur bloße Willkür?
Wer sich erinnern will, erkennt die Parallelen. Im Namen der Moral, des Guten oder des Gemeinwohls wird das individuelle Freiheitsbedürfnis unter Druck gesetzt, indem ihm die Folgen angeblicher «Unsolidarität» zugerechnet werden: Wer auf eigener Urteilsfähigkeit besteht, gilt rasch als Ursache fremden Leids. Gleichzeitig erscheint die persönliche, subjektive Auffassung von Liberalismus nicht mehr als legitime Perspektive, sondern als Störfaktor – als etwas, das den Zugang zu dem verstellt, was «die Wissenschaft» als eindeutig gesicherte Erkenntnis ausgibt.
Ähnlich jener Haltung, die Roland Baader später in Werken wie Kreide für den Wolf als die des «Gesellschaftskonstrukteurs» entlarvt, bezeichnet C. S. Lewis die Tendenz, die Wahrnehmung anderer zugunsten eigener Interessen zu delegitimieren, als «Subjektivismus». Wo absolute Maßstäbe bestritten oder nicht mehr erkannt würden, entstehe ein Deutungsrahmen, der individuelle Wahrnehmung und Urteilskraft systematisch entwerte. Weshalb Lewis dem «Subjektivisten» auch den Titel seiner ersten Vorlesung widmet: «Mensch ohne Brust». Mit ihm meint er einen Menschen, der den Bezug zu übergeordneten Maßstäben verloren hat – und gerade dadurch formbar, beeinflussbar und letztlich lenkbar wird – nur um später als «Neuerer» oder «Konditionierer» selbst Menschen zu formen und zu lenken.
Ihr Ziel ist nicht länger der Erhalt des Menschen, sondern die Aufrechterhaltung «der Gesellschaft» – wobei auch ihre Ordnung nicht mehr an übergeordneten Maßstäben gemessen wird, sondern von den «Konditionierern» selbst definiert wird. Wenn so etwas wie Mitgefühl oder Ehre für sie noch einen Wert haben sollte, dann nur, um diese zu stabilisieren. Alles, was sie, das «Allgemeinwohl» oder den «Fortschritt» als solchen aus Sicht der «Neuerer» nicht stabilisiert, wird verworfen.
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Um seine Position zu verdeutlichen, greift C. S. Lewis in der besagten Vorlesung auf ein konkretes Beispiel zurück: ein wenige Jahre zuvor erschienenes Lehrbuch, dessen Verfasser er aus Gründen der Rücksichtnahme «Gaius» und «Titus» nennt und das er selbst durchgehend als Das grüne Buch bezeichnet. Wobei sich seine Kritik weniger gegen das richtet, was das Buch vermittelt, als gegen das, was es implizit unterstellt: So lehre es Kindern zwar das Schreiben, fördere – so Lewis – zugleich jedoch genau jenen Subjektivismus, den er als Wurzel allen Übels begreift. Denn es legt nahe, dass Wertaussagen nichts weiter seien als Projektionen innerer Zustände – und damit letztlich ohne Bedeutung, geschweige denn Anspruch auf Gültigkeit.
Unter diesem prinzipienfreien Prinzip führte das Lehrbuch das Beispiel eines Beobachters an, der einen Wasserfall als «erhaben» bezeichnete – nur um ihn im gleichen Atemzug darauf hinzuweisen,, dass es, wenn wir solche Beobachtungen machten, nur so scheine, als würden wir etwas objektiv Wichtiges sagen, in Wirklichkeit aber nur etwas über unsere eigenen – unwichtigen – Gefühle aussagten. Lewis kritisiert die hier unterschwellige Suggestion durch Worte. Und entgegnet zugleich, dass jener Beobachter nicht «nur» seine eigenen Gefühle ausdrücke, sondern zugleich auch behaupte, dass das Objekt diese Gefühle verdiene.
Für ihn bestand die eigentliche Macht von Titus und Gaius folglich «in der Tatsache, dass sie es mit einem Jungen zu tun haben, einem Jungen, der seine Englischaufgaben macht und keine Ahnung hat, dass bei Ethik Theologie und Politik mit im Spiel sind.» Nicht eine Theorie würden sie in seinem Geist einpflanzen, «sondern eine Voraussetzung, die ihn zehn Jahre später, wenn deren Herkunft vergessen und sie selber unbewusst geworden ist, veranlassen wird, in einer Auseinandersetzung, die er nie als eine solche erkannt hat, Partei zu ergreifen.» Dabei wüssten die Verfasser wohl kaum, so Lewis, «was sie dem Jungen antun, und er selbst kann nicht wissen, was man ihm antut»1. «Ohne ihm etwas über Literatur beizubringen – lange bevor er alt genug ist, selber zu unterscheiden», schreibt Lewis, hätten «Gaius und Titus aus seiner Seele die Fähigkeit zu gewissen Erfahrungen, welche Denker von überlegener Autorität für großherzig, fruchtbar und echtmenschlich hielten, herausoperiert.»2
Wie bereits zu erkennen, vertrat C. S. Lewis an dieser Stelle einen grundlegend anderen Standpunkt als die seiner Ansicht nach etwas übereifrigen Verfasser von Das Grüne Buch. Zwar anerkennt er ihre Beobachtung, «wie die Welt ringsum von gefühlstriefender Propaganda überschwemmt» werde – kritisiert jedoch den aus ihrer gängigen Anschauung der Jugend als «sentimental» irrtümlichen Schluss, «das beste, was sie tun könnten, sei, die jungen Leute gegen das Gefühl zu stählen». Lewis selbst hätte seine Erfahrung als Lehrer schließlich das Gegenteil gelehrt. Er schreibt (wie ich finde, sehr schön):
«Auf jeden Schüler, den man vor einem leichten Überschwang an Empfindsamkeit bewahren muss, kommen drei, die es aus dem Schlummer kalter Gefühllosigkeit zu wecken gilt. Die Aufgabe des modernen Erziehers besteht nicht darin, Dschungel auszuhauen, sondern Wüsten zu bewässern. Die richtige Abwehr gegen falsche Gefühle besteht in der Vermittlung echter. Wenn wir das Empfindungsvermögen unserer Schüler verkümmern lassen, machen wir sie zu einer umso leichteren Beute für Propagandisten. Denn die ausgehungerte Natur rächt sich, und ein hartes Herz ist kein unfehlbarer Schutz vor einem weichen Hirn.»3
Lewis selbst war Objektivist. Er war davon überzeugt, dass das Wahre, das Gute, das Schöne objektiv und damit unabhängig von unserem subjektiven Bewusstsein existieren. Ein Sonnenuntergang galt für ihn als objektiv schön. Wer einen Sonnenuntergang nicht als schön wahrnehme, sei ihm zufolge nicht blind, sondern leide an einer mangelnden Verbindung zu seiner Seele. Entgegen der Tradition Aristoteles oder Platons vertrat er folglich die Ansicht, dass es nicht das Ziel von Erziehung sein könne, den Schüler zu lehren, was er zu lieben und was zu verabscheuen habe. Dies bleibe, so Lewis, im Gegensatz zu jenem Ansatz der Einweihung und Vermittlung, nach dem Menschen Menschlichkeit an Menschen weitergaben, immer nur Konditionierung, Propaganda im schlimmsten Sinne.
Der Mensch, so Lewis, kann nicht zu «richtigen Gefühlen» erzogen werden. Das Ideal vom «Platonischen Staat», in dem der – zunächst als tabula rasa auf die Welt gekommene – wohlerzogene Jüngling durch Einüben der «richtigen Reaktionen» fähig wird, «Vergnügen, Liebe, Abscheu und Haß jenen Dingen gegenüber zu empfinden, die wirklich vergnüglich , liebenswürdig und hassenswert sind»4, erzieht seiner Ansicht nach nicht zu wahrer Tugend, sondern lediglich zur Anpassung – zum Wiedererkennen jener Vernunftwerte, in deren platonischer «Wesensverwandtschaft» er erzogen worden ist. Dadurch wiederum, dass Das Grüne Buch genau diese Erziehung zum «Richtigen» propagandiert, bringt es, schreibt Lewis, genau jene «brustlosen Menschen» hervor. Er empfand es als empörend, wie solche schon zu seiner Zeit allgemein als «Intellektuelle» bezeichnet wurden. Ganz im Sinne des Gesellschaftskonstrukteurs und seiner Propaganda erlaube dies ihnen zu behaupten, dass wer sie angreife, die Intelligenz angreife.
Dabei unterschieden sie sich, so Lewis, «von andern Menschen durch keinerlei ungewöhnliche Fertigkeit im Finden von Wahrheit noch durch einen jungfräulichen Eifer bei der Suche danach». Nein, nicht Übermaß an Intelligenz würde sie kennzeichnen, «sondern Mangel an fruchtbarem, großherzigem Fühlen». Auch ihre Köpfe seien nicht größer als normal – sie würden nur so scheinen, «weil sie über einem verschrumpften Herzen sitzen»5.
In den nächsten Tagen folgt der zweite Teil dieser kurzen Reihe: «Tao oder Torheit?».
Nach den ersten Terminen für Lesungen zu meinem Buch Sein statt Haben stehen nun bereits drei weitere:
Samstag, der 20. Juni. Nachmittags bis abends in 31675 Bückeburg OT Cammer (Zwischen Hannover und Bielefeld). Circa 30 Plätze.
Dienstag, der 23. Juni in Nienburg/Weser. Hotel Am Posthof. Einlass ab 18:30. Beginn der Lesung. 19:30 - 22:00 Uhr. Die Plätze sind auf 35 begrenzt.
Mittwoch, der 26. Juni in Heidelberg. Infos folgen.
Ganz grundsätzlich plane ich derzeit mehrere Lesungen in der zweiten Junihälfte. Verfügen auch Sie über einen kleinen Saal oder ein größeres Wohnzimmer (oder auch einen schönen Garten), in dem 20 bis 50 Personen bequem Platz finden? Dann schreiben Sie mir gerne an lillygebert@posteo.de – und vielleicht können wir uns schon ganz bald auf einen gemeinsamen Abend (oder Nachmittag) freuen.
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Kontoinhaberin: Lilly Marie Gebert
IBAN Deutschland: DE13120300001056704222
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Verwendungszweck: Spende Substack (Beispiel)
Vielen Dank. Für alles weitere schreiben Sie mir gerne an lillygebert@posteo.de, abonnieren Sie meinen Telegram Kanal, oder verfassen einen Kommentar.
Lewis, C. S. (2020): Die Abschaffung des Menschen. Johannes Verlag. 9. Auflage, Seite 16.
Ebenda, Seite 20.
Ebenda, Seite 23.
Ebenda, Seite 25f.
Ebenda, Seite 33.





Kennen Sie Picard?
Eine Form geistigen Kannibalismus.
Die zerstörerische Kraft einer fragmentierten Realitätsorientierung – Dualismus
Ein polemisch-kritischer Essay
Der Dualismus ist keine harmlose philosophische Erbschaft. Er ist ein kultureller Virus, der seine Wirte glauben lässt, sie seien getrennte Teile einer zerlegbaren Maschine. Seit Jahrhunderten infiziert dieses Denkschema die westliche Zivilisation – und die Symptome sind unübersehbar: emotionale Verarmung, politischer Verfall, ökologische Zerstörung und eine Gesellschaft, die sich selbst wie ein defektes Gerät behandelt. Der Dualismus präsentiert sich als nüchterne Rationalität, doch in Wahrheit ist er ein Machtinstrument, das Ohnmacht produziert und psychopathische Dynamiken normalisiert.
1. Die mechanistische Lüge: Kontrolle statt Intelligenz
Dualistisches Denken beruht auf einer fundamental falschen Prämisse: dass der Körper ein mechanisches Objekt sei, unfähig zur Selbstorganisation. Diese Behauptung ist nicht wissenschaftlich, sondern ideologisch. Sie dient dazu, das Organische dem Mechanischen zu unterwerfen. Das Ergebnis? Eine Kultur, in der die Menschen ihren eigenen Körpern misstrauen und lieber Pillen schlucken, als den Mut aufzubringen, ihre unterdrückten Gefühle zu spüren.
Spontanes Zittern, Weinen, Erzittern nach Schock – alles natürliche Heilreaktionen – gelten als „peinlich“ oder „pathologisch“. Stattdessen werden Menschen in ein Korsett aus Medikamenten, Verhaltenstherapien und Leistungsnormen gezwängt. Der gesunde Organismus wird zugunsten eines künstlich stabilisierten Apparats geopfert. Das ist keine Medizin – das ist soziale Sedierung.
2. Ohnmacht als politisches Programm
Diese kulturelle Selbstbetäubung ist kein Kollateralschaden; sie ist systemisch gewollt. Eine Bevölkerung, die sich selbst nicht fühlt, ist perfekt steuerbar. Dualismus erzeugt emotionale Analphabeten, die ihre Intuition nicht mehr erkennen und deshalb Autorität mit Wahrheit verwechseln.
In dieser Atmosphäre gedeihen psychopathische Strukturen: Unternehmen, die Menschen als Rohstoff behandeln; politische Systeme, die Angst als klebrigen Treibstoff nutzen; Institutionen, die Kontrolle als moralische Pflicht verkaufen. Die Botschaft lautet: „Verlass dich nicht auf dich selbst – wir wissen besser, was gut für dich ist.“
Das ist nicht Fürsorge, sondern Enteignung der inneren Souveränität.
3. Die psychopathische Show: Wenn Fragmentierung zur Normalität wird
Die gesellschaftliche Realität ist längst zu einer Bühne geworden, auf der sich die Folgen des dualistischen Wahnsinns als groteske Maskerade abspielen. Medien verbreiten medikalisierte Angstpanik, damit sich niemand mit den Ursachen der inneren Not auseinandersetzt. Bildungssysteme trainieren Konformität statt Neugier. Wirtschaftliche Strukturen belohnen entmenschlichte Effizienz statt lebendiger Intelligenz.
Wir nennen es „Fortschritt“.
In Wahrheit ist es ein kollektiver Sturz in die Organismusvergessenheit.
Die Menschen, abgetrennt von ihren „kosmischen Reflexen“ – jenen tief verwurzelten Rhythmen des Lebens –, verwechseln Komplexität mit Chaos und reagieren mit Kontrolle, wo Resonanz nötig wäre. Das Resultat: Burn-out-Epidemien, Beziehungskrisen, politische Radikalisierung und eine Natur, die unter der Illusion menschlicher Überlegenheit kollabiert.
4. Die binäre Brille: Eine Welt im Krieg mit sich selbst
Der Dualismus zwingt uns, die Welt durch eine binäre Brille zu betrachten: mächtig/ohnmächtig, rational/irrational, gesund/krank, zivilisiert/roh. Diese Logik ist das intellektuelle Fundament von Kolonialismus, Patriarchat, militärischer Eskalation, Ressourcenplünderung und ideologischer Polarisierung.
Es ist kein Zufall, dass dieselben Gesellschaften, die am tiefsten im dualistischen Denken verankert sind, am stärksten von Selbstzerstörung bedroht sind. Wer die Welt als feindliches Objekt sieht, führt zwangsläufig Krieg – gegen andere, gegen die Natur, gegen den eigenen Körper.
Dualismus ist kein abstraktes Konzept.
Er ist eine Form geistigen Kannibalismus.
5. Schluss: Gegen die Fragmentierung – für eine rebellische Ganzheit
Die Überwindung des Dualismus ist kein spirituelles Hobby und keine philosophische Übung. Es ist ein Akt existenzieller Auflehnung gegen ein System, das uns in Stücke schneidet, um uns gefügig zu machen. Eine neue Realitätsorientierung muss den Organismus ernst nehmen – nicht als Maschine, sondern als radikal intelligentes, selbstregulierendes Feld.
Solange Menschen nicht verstehen, dass ihre Lebendigkeit wichtiger ist als ihre Anpassungsfähigkeit, bleibt die Gesellschaft im Bann des dualistischen Machtmythos. Doch sobald wir die fragmentierte Wahrnehmung durchschauen, wird sichtbar, dass Heilung nicht in der Kontrolle liegt, sondern in der Wiederverbindung – mit uns selbst, miteinander, mit dem lebendigen Geschehen der Welt.
Bavaria – Germany – November 24th – 2025
Inge Jarl Clausen