Wie tief ist der Sumpf?
Die Epstein Files. Ein Briefwechsel mit Frank Höfer.
Lieber Frank,
Je mehr ich deine Recherchen zu Jeffrey Epstein und seinen Verbindungen zu BND, Mossad, den Rockefellers oder auch Erben verfolge, desto mehr wirkt selbst die Veröffentlichung seiner privatesten E-Mails auf mich wie eine Inszenierung: Einblicke in Kontakte zu Promis, Politikberatern und Bankern, von denen er Gelder, Informationen, aber auch Menschen bezog. Geschwärzte Akten, Millionen fehlende Seiten und Anhänge – genug, um Vorwürfe wie Menschenhandel, Kindesmissbrauch sowie Korruption und Insidergeschäfte bis in höchste Kreise anzudeuten, aber zu wenig, um sie juristisch greifbar zu machen. Zurück bleiben Wut, Resignation, der Eindruck von Beschäftigungstherapie – alles, nur keine Handlungsmacht. Glaubst du, diese Veröffentlichungen wurden genau dafür gewählt? Um uns im Spiel von Macht und Ohnmacht selbst zu Opfern zu erklären?
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Allgemein liest sich vieles wie ein Skript – Figuren, die sich in Epsteins Umfeld wie auf einem Schachbrett anordnen. Wer war dieser Mann? War er nur Täter – oder am Ende doch ein Bauernopfer? Wie hoch reichten seine Verbindungen wirklich? Zeigen sie vielleicht weniger auf einen einheitlichen Plan als auf konkurrierende Netzwerke, die gegeneinander operieren?
Gerade vor diesem Hintergrund interessiert mich – ähnlich wie dich – die ideologische Ebene: Epstein bewegte sich im Umfeld von Transhumanisten, von Ideen wie Initiative 2045 und der Vorstellung, Bewusstsein «speichern» zu können. Was lange wie Science Fiction wirkte, erscheint hier plötzlich als mögliches Langzeitprojekt. Für wie realistisch hältst du es, dass gerade das Versprechen von Unsterblichkeit – als letzter unerfüllter Traum einer Elite, die sonst alles besitzt – zum eigentlichen Hebel ihrer Korrumpierung wurde?
Und was glaubst du, wie viele von Epsteins Anhängern wussten, dass sie womöglich «Experimente» finanzierten, Menschen unter Extrembedingungen in «seelenspaltende» Zustände zu bringen, um Inselbegabungen wie Kybernetik zur Steuerung von Materie durch mentale Fähigkeiten hervorzurufen? Galt dieses – stark an die Erfolgsserie «Stranger Things» erinnernde – Hervorbringen neurologischer Schäden wirklich der Erforschung von Bewusstsein als größer angelegtes Wissen, auf das wir nur unter bestimmten «Umständen» zugreifen können? Oder war auch das nur der wissenschaftliche Überbau für etwas noch Größeres? Noch Diabolischeres?
So erscheint mir zumindest diese Epstein-Verbindung: Wenn der Mensch als fehlerhaft gilt – als Wesen, das zu Dingen wie Missbrauch fähig ist –, entsteht daraus nicht zwangsläufig die Erzählung, dass seine «Ablösung» eine Art «moralischer» Fortschritt wäre? Transhumanismus nicht als Abschaffung, sondern als Evolution des Menschen? Ist diese Spaltung innerhalb der Menschheitsentwicklung nicht genau das, was die Epstein Files zutage bringen? Die Entscheidung zwischen echtem Bewusstsein und dem Ende allen Lebens?
Ganz herzlich,
Lilly Gebert
Redaktorin «DIE FREIEN»
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Liebe Lilly,
Ich glaube nicht, dass die Epstein Files veröffentlicht wurden, um uns abzulenken oder in Ohnmacht zu halten. Natürlich erzeugen Lücken, Schwärzungen und fehlende Anhänge genau diesen Eindruck: Man sieht genug, um das Ausmaß des Skandals zu erahnen, aber oft zu wenig, um alles juristisch greifbar zu machen. Trotzdem halte ich die Veröffentlichungen nicht für ein Instrument der Finsternis, sondern eher für ein Instrument des Lichts. Wir treten in eine neue Phase der Aufklärung ein. Vieles von dem, worüber ich und mein NuoViso-Netzwerk seit fast 20 Jahren Filme und Beiträge machen, wird dadurch nicht widerlegt, sondern bestätigt.
Dabei wird auch sichtbar, dass es nicht nur ein einziges Machtzentrum gab. Natürlich erkennt man konkurrierende Netzwerke. Aber wo Macht, Geld, Geheimdienste, Wissenschaft und Politik zusammenkommen, gibt es immer Konkurrenz, Überschneidungen und verdeckte Kämpfe. Das ist für mich kein Gegenargument gegen die Relevanz des Epstein-Netzwerks, sondern ein Beleg dafür, wie hoch es tatsächlich reichte. Dieses Netzwerk war kein zufälliger Zirkel exzentrischer Reicher, sondern eine hochfunktionale Struktur mit Zugang zu Politik, Finanzelite, Wissenschaft, Medien und Geheimdienstnähe. Dass es daneben andere Netzwerke gab, ändert nichts daran.
Besonders brisant ist für mich die ideologische Ebene. Denn was bietet man Menschen an, die bereits alles besitzen? Geld, Einfluss, Zugang, Schutz – all das hatten viele in diesen Kreisen längst. Was man ihnen noch anbieten konnte, war das, was sie bis dahin nicht kaufen konnten: Unsterblichkeit. Genau deshalb halte ich es für hochplausibel, dass das transhumanistische Versprechen für viele der eigentliche Hebel war. Epstein konnte offenbar glaubhaft machen, dass man der Überwindung des Todes, der Speicherung von Bewusstsein oder einer radikalen Lebensverlängerung näher sei, als die Öffentlichkeit ahnte.
Ja, ich glaube auch, dass man im Namen dieser Forschung schwere Schäden an menschlichen Versuchskaninchen in Kauf nahm. Aus Epsteins Korrespondenz geht hervor, dass er mit anderen darüber nachdachte, wie man an staatlichen Regularien, Medien und moralischen Gewissenshürden vorbei «verbotene Wissenschaft» betreiben könne. Das allein ist bereits diabolisch genug. Dennoch glaube ich eher an radikalen Erkenntnisdrang als an Missbrauch oder Folter als Selbstzweck. Die Kälte lag nicht unbedingt im Ziel, sondern in der Bereitschaft, Menschen für ein höheres Projekt zu opfern.
Die Files legen damit offen, dass Teile einer Elite den Menschen nicht mehr als zu bewahrendes Wesen betrachteten, sondern als überwindbares Zwischenstadium. Genau darin liegt die große Gefahr. Aber gerade dieses Wissen kann helfen, die Hybris des Transhumanismus zu stoppen. Wenn wir erkennen, woran dort gearbeitet wurde, können wir uns bewusst dagegenstellen – für das Menschliche, für echtes Bewusstsein und gegen die technokratische Versuchung, den Menschen selbst abzuschaffen.
Liebe Grüße
Frank Höfer
Gründer von «NuoViso»
Dieser Briefwechsel erschien zuerst in der 24. Ausgabe von DIE FREIEN.
Nach den ersten Terminen für Lesungen zu meinem Buch Sein statt Haben stehen nun bereits zwei weitere:
Samstag, der 20. Juni. Nachmittags bis abends in 31675 Bückeburg OT Cammer (Zwischen Hannover und Bielefeld). Circa 30 Plätze.
Dienstag, der 23. Juni in Nienburg/Weser. Hotel Am Posthof. Einlass ab 18:30. Beginn der Lesung. 19:30 - 22:00 Uhr. Die Plätze sind auf 35 begrenzt.
Ganz grundsätzlich plane ich derzeit mehrere Lesungen in der zweiten Junihälfte. Verfügen auch Sie über einen kleinen Saal oder ein größeres Wohnzimmer (oder auch einen schönen Garten), in dem 20 bis 50 Personen bequem Platz finden? Dann schreiben Sie mir gerne an lillygebert@posteo.de – und vielleicht können wir uns schon ganz bald auf einen gemeinsamen Abend (oder Nachmittag) freuen.
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"...dass man im Namen dieser Forschung schwere Schäden an menschlichen Versuchskaninchen in Kauf nahm..." "Dennoch glaube ich eher an radikalen Erkenntnisdrang als an Missbrauch oder Folter als Selbstzweck. Die Kälte lag nicht unbedingt im Ziel, sondern in der Bereitschaft, Menschen für ein höheres Projekt zu opfern."
Einige der gewählten Formulierungen klingen für meine Empfindung nach Schönreden. Sucht man hier nach noch halbwegs "ehrenwerten" Motiven? Begriffe wie "Forschung", "Erkenntnisdrang" und "höheres Projekt", ... mir dreht sich der Magen um. Warum sprechen wir nicht von schwarzmagischen Praktiken, wenn Menschen "geopfert" werden wie vor 2000 Jahren in Mexico?!
Warum sprichst Du in der Vergangenheit, lieber Frank? Glaubst Du, all dies hat nun mit dem Tod von Epstein ein Ende gefunden?