8 Kommentare

Hammer Artikel! Eine wirklich eindrucksvolle Perspektive. Erinnert mich an ein Zitat von Eugen Rosenstock - Huessy aus "Im Kreuz der Wirklichkeit", das mir mein bester Kumpel vor kurzem geschickt hat. "Wie die höhere Mathematik Gesetze des Weltalls errechnet, so dient die höhere Grammatik der jeweiligen Bestimmung des Menschengeschlechts. Sie muss dem gesellschaftlichen Drama gewachsen sein, in dem es um die vier Stufen des Erlebens geht: beseelen im Aufhorchen, begeistern im Mittteilen, bekleiden im Feststellen, begreifen im System."

Meine Schlussfolgerung: Um also mit der Welt wieder mehr in Beziehung zu treten brauchen wir eine gemeinsame Sprache. Eine gemeinsame Geschichte. Eine gemeinsame Erfahrung. Doch wie erschaffen wir solch eine "neue" Geschichte? Meine Antwort: "Poesie." Hier also ein Gedicht von mir:

Eine neue Seite, ein neues Kapitel

ein leeres Blatt im Gedankenlos

Wortlos im Wort der Titel

Meine Erfahrung schreibt jetzt: "los!"

Ein Gedanke, der lebendig wird

gefühlt im Herz, vergänglich stirbt

sich neu erschafft, im Sinn,

was ihn lebendig macht.

Ich löse Rätsel schreib sie neu

zur Zeit, zeitgleich dem Zeitgeist

Der Erfahrung bleib ich treu,

es ist die Lösung die sie einkreist.

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Lieber Daniel, gleich ich meine "höhere" Grammatik derweilen versuche abzulegen, stimme ich dir zu, dass es eine neue gemeinsame Sprache braucht. Ob diese in der Sprache als solcher zu suchen ist, bezweifle ich mittlerweile jedoch. Das Stichwort "Erfahrung" klingt hier bei mir mehr an. Diesbezüglich danke ich dir auch sehr für dein Gedicht. Auf weitere Gedanken, die lebendig werden. Herzlich, Lilly

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Liebe Lilly, danke für deine Antwort. Zuerst einmal: Ich bin auch kein Fan von komplizierter Grammatik xD So wie ich das verstanden habe, erschafft die "höhere Grammatik" einen Raum, in dem wir eine gemeinsame Antwort finden können. Meines Erachtens benutzen wir Hier also gerade "höhere Grammatik." Der Artikel gibt uns eine gemeinsame Erfahrung, in der wir in wirklichen Dialog treten können. Die Worte bauen also eine Art "Erfahrungsraum", den wir erforschen und erfahren können. Die Erfahrung ist in den Worten zu finden. Zwischen den Zeilen.

In Liebe, Daniel

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Lieber Daniel, das hab ich in gewisser Weise auch so verstanden, beziehungsweise dem "Zwischen" deiner Zeilen entnommen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass – so viel Sprache auch zu tragen vermag – das Leben als solches durch sie nicht übertragbar ist. Weiterhin herzlich, Lilly

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Das ist wirklich schön gesagt! Ich stimme zu, das Leben ist nicht durch Sprache übertragbar. Kein Wort kann das Wortlose ausdrücken, um es einmal in meinen Worten zu sagen. Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass Worte auf eine Reise schicken können. Die Reise zur Erfahrung. Das Wort des Wortlosen kann eine Sprache erschaffen, in der das Wortlose gefühlt werden kann.

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Genau. Worte als Impulse, Erinnerungen an eine Welt abseits von Kopf und Verstand, Handreichungen ins Leben.

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Die Erinnerung nach vorne

Mein Traum bereits verwirklicht

Im Wort ist, was ich forme

Der Impuls für ein Gedicht

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Mai 30·Mai 30 bearbeitet

Liebe Lilly, dieser Artikel fällt m.E. etwas aus dem Rahmen der sonstigen sehr anregenden und erhellenden Artikel, wie ich sie von Dir schätze. Ich nehme an, dass dies eventuell primär mit den verwendeten Quellen von Hartmut Rosa zu tun hat, die Du ja u.a. vorstellen möchtest. Für mich liest sich das diesmal ähnlich (!), wie die sehr verbreiteten, meist doch eher ziemlich unkonkret-schwülstig formulierten, aber im Kern doch recht beliebigen Ratschlägen für ein richtiges Leben (im falschen?!), die im Internet in schriftlicher Form oder in unzähligen "Heils-Videos" seit vielen Jahren kursieren. Bei mir fing es beim Lesen schon an mit der Einleitung an "Eine Bedingungslosigkeit, bedingt durch nichts anderes ...". - Moment, dann also doch nicht so bedingungslos? -

Dafür bin ich völlig begeistert über die Bekanntschaft mit dem Maler Konstantin Fjodorowitsch Bogajewski, den Du vorstellst und den ich dadurch entdeckt habe, was mir eine große Freude bereitet. Danke Dir dafür! - Herzlich Psammetich

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