Die totale Vernetzung
Die digitale Pandemie und ihre Folgen.
«Wenn Technik nichts anderes ist, als dass alles schon geregelt und vorgeschrieben ist,
dann ist es besser ohne Technik. Was ich tun kann, ist eigentlich nur zu sagen:
Ihr müsst wieder freier werden!» — Hans-Georg Gadamer
Worin besteht der Raum, in dem Menschen nichts mehr spüren – nicht einmal mehr sich selbst? Für mich ist es die Technik. Nicht als primäre Ursache, aber als Symptom und Konsequenz von Trauma, innerer Spaltung und einer zunehmend entleerten Welt. Ihr Hinterlassen von nichts als Leere befeuert bloß den Sog des Digitalen: Denn je tiefer wir in ihn eintauchen, desto mehr verlieren wir den Bezug zu dem, was echt ist, und verlernen, es von dem zu unterscheiden, was sich bloß immer echter anfühlt. Wir selbst degradieren zum rein aufs Digitale getrimmten Sender-Empfänger-Modell – durchlässig für alles, empfänglich für nichts. Gefangen in seiner permanenten Abrufbarkeit, ist es unsere eigene Verbundenheit, die verkommt. Und deren Mangel uns taub und stumpf werden lässt für das, was uns einst verbunden fühlen ließ.
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Damit angreifbar durch das, was zusehends um sich greift, kann der Mensch sich selbst nicht mehr greifen. Ist doch das, was früher noch als «geheime» Überwachung galt, heute ein für sich selbst werbendes Geschäftsmodell: von Smartphones, Tablets und Smartwatches über intelligente Beleuchtungssysteme und deinen Fahrstil «beobachtende» Bordcomputer – sie alle senden, empfangen, vermessen und überwachen nicht mehr nur uns, sondern das gesamte Gewebe des Zwischenmenschlichen. Oder zumindest das, was von diesem noch übrig ist. In der Welt der Algorithmen ist nichts mehr bloß «privat». Hier hat jedes Intervall deiner Wimpernschläge einen Gegenwert, und jedes «privat» geführte Gespräch die potenzielle Optimierung deiner tatsächlichen Kaufentscheidungen.
Dabei wissen wir es im Grunde doch alle: Unsere Bewegungen, Essgewohnheiten, Schlafrhythmen, ja sogar unsere Emotionen und sexuellen Vorlieben sind längst Teil eines globalen Datensatzes, nach dem dein Bedürfnis nach Privatsphäre bereits als Grund zusätzlicher Überwachung gilt – und Roland Baaders einzig wahres Menschenrecht, in Ruhe gelassen zu werden, vermutlich längst als «rechts». Wobei dieses «rechts» ebenfalls nichts mehr ist, das allein von Menschen definiert zu werden scheint. Vielmehr sind es die Algorithmen jener Datenkraken, die derweilen in mehr als «nur» unsere Privatsphäre eingreifen – sie formen obendrein auch unser Menschenbild. Abhängig von ihnen gestalten auch wir diese Welt nicht, wie sie ist, sondern wie sie sich (besser) berechnen, einteilen, steuern lässt. Und das bedeutet nicht Land-, sondern Hochhaus, nicht Waldhütte, sondern Smart Living, nicht Senioren WG, sondern Pflegeheim und Schnabeltasse. Kurzum: Auch das Konzept der «15-Minuten-Stadt» wird irgendwann von der grünen Klima-Utopie zum Klimakiller und digitalen Gefängnis umschlagen. Wobei es hierbei auch nie darum ging, dass alle Menschen E-Auto fahren (oder sollte ich bei der Fehleranfälligkeit und Reperaturrate sowie gerade bei diesen Minusgraden Pannenfrequenz besser sagen: nicht fahren?), sondern das niemand mehr Auto fährt. Oder sich höchstens der ein Auto leihen darf, dessen Soziales Kreditsystem es noch gewährt.
Doch damit nicht genug: Während der digitale Kolonialismus bereits unsere Gedanken formt, und mit ihnen die allgemeine Vorstellung dessen, wie sich ein lebenswertes, «klimaneutrales» Leben zu gestalten hat, deformieren seine Überträger längst unsere Körper: Mobilfunkmasten, Handys, WLAN-Router mit WiFi-Sensing, Babyphones und Bluetooth-Signale sind nicht nur Hintergrundgeräusche – in Form von Strahlen, Wellen und Impulsen erzeugen sie eine unsichtbare Dauerbelastung für Mensch, Natur, Bienen und Bäume, derer sich kaum einer mehr etziehen kann. Ist Elektrosmog doch schließlich keine Fiktion aus esoterischen Kreisen, wie die stets faktenbasierte ZDFneo-Sendung «MAITHINK X – Die Show» es uns zu erklären versucht, sondern messbare Realität: So jedenfalls bringen ihn immer mehr Studien mit Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Nervosität und langfristig neurologischen Veränderungen in Verbindung. Wobei verstärkt Kinder, deren Nervensysteme sich noch im Aufbau befinden, unter Gedächtnisproblemen durch elektromagnetischer Strahlung leiden. Während Männer, die häufig ihr Handy benutzen, eine geringere Spermienbeweglichkeit, mehr DNA-Schäden und eine geringere Testosteronproduktion aufweisen. Und bei Frauen eine längere Handynutzung während der Schwangerschaft mit einem höheren Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten und Wachstumsstörungen bei Säuglingen und Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung schon im Embryo verbunden ist.
Die öffentliche Debatte über Strahlung als mögliche Ursache der drastisch ansteigenden Unfruchtbarkeitsrate? – Bleibt aus. Ebenso wie die über die Magnetfeldbelastung in Elektroautos oder die Warnung vor neuen Sicherheitsrisiken im Luftverkehr durch den globalen Ausbau von 5G- und künftigen 6G-Mobilfunknetzen seitens der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung Iata. Wie so oft bei einem wachsenden Erkenntnisstand, der mit einer Milliardenlobby sowie etwas anderes als die Gesundheit der Bevölkerung im Blick habenden Interessen in Konflikt steht, gilt: Wer fragt, wird marginalisiert. Wer zweifelt, pathologisiert.
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Die Anhänger der Strahlenherrschaft
Besonders deutlich wird diese Absurdität im heutigen Schulsystem – beginnt der digitale Zugriff doch gerade bei den Jüngsten: Kinder mit Smartphones, Smartwatches und Tablets. Ihre Pausen gehören nicht mehr dem Spiel, sondern den Bildschirmen. Gespräche werden ersetzt durch Emojis, Kurzvideos und Memes, Konflikte durch Mobbing in der physischen Konfrontationslosigkeit, der Feigheit des digitalen Schattens und der Geborgenheit der Anonymität für jene, die nur dort etwas sein können, wo sie nicht sie selbst sein müssen.
Womit auch die zunehmende Unruhe in Klassenzimmern kein Zufall ist – sie ist Symptom eines Systems, das die technologische Umarmung mit wahrer Bildung verwechselt. Wissen wir doch dank Manfred Spitzer, Gerald Hüther oder auch Matthias Burchardt (um nur einige wenige zu nennen) längst: Lernen braucht Aufmerksamkeit, Beziehung, Resonanz. Und genau diese Qualitäten werden durch das permanente Online-Sein sabotiert, unterdrückt, aufs Unmenschlichste pervertiert, indem sie als genau das, was sie einst waren, verneint werden: menschliche Bedürfnisse. Wobei ihr Missachten zwecks einer «neoliberalen Ökonomisierung der Bildung» gerade jener Ökonomie zu schaden droht. Darauf deutet zumindest der rapide Leistungsabsturz in den MINT-Fächern. Abermals zeigt sich: Kinder brauchen ein Gegenüber, das ihnen die Welt erklärt – oder besser: das es ihnen ermöglicht, sie frei nach Ivan Illich außerschulisch selbst zu erfahren. Geschieht all dies nur noch über Bildschirme und Videos, verkommt auch das menschliche Gehirn zu einer Art Festplatte, die bei Überbelastung den Geist aufgibt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
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Technik schließlich hat keinen Geist. Und selbst wenn, dann einen nekrophilen, lebensverneinenden. Das zeigt allein die Degenerierung, die seit dem massentauglichen Einsatz von ChatGPT, Grok oder Claude Einzug gehalten hat: Was wir schon jetzt auf gesellschaftlicher Ebene erleben ist eine Absenkung von Leistungsmaßstäben sowie eine Externalisierung von Kompetenz, eine Erosion des Tiefendenkens, eine Verkümmerung des Arbeitsgedächtnisses, eine reduzierte Frustrations- und Ambiguitätstoleranz, aber auch eine Abnahme der metakognitiven Kontrolle. Die Menschen merken regelrecht nicht mehr, dass sie nicht mehr selber denken. Auf individueller Ebene führt das zu einer weiteren Autoritätsverschiebung hin zu Systemen sowie eine Homogenisierung von Denkstilen. Die Menschen verlieren ihre heuristische Kompetenz, Unsicherheiten und Fehler sinnvoll zu managen und zu lösen.
Die daraus entstehenden Folgen sehen wir besonders bei Kindern und Jugendlichen: Während ihr Suizidrisiko steigt, sinkt ihre intrinsische Lernmotivation rapide, ebenso wie ihre Selbstwirksamkeit. Frei nach dem Motto: «Warum lernen, wenn Antworten sofort verfügbar sind?», erleben sie ihre eigene kognitive Leistung als zweitrangig, was in letzter Instanz wieder passive Konsumhaltungen verstärkt: Es wird sich nichts mehr selbst erarbeitet, um es dann zu verkörpern – für sich zu wissen. Vielmehr wird die Zeit, die durch KI eingespart wird, mit KI generiertem Medienkonsum verbracht. Belohnungssystem und Dopaminausschüttung lassen grüßen.
Wo stehen wir wirklich?
Ich bin an dieser Stelle zwiegespalten. Einerseits frage ich mich: Werden wir auch hier eine Zweiteilung der Gesellschaft erleben? Eine kleine kognitive Elite gegen eine von der KI vom Arbeitsmarkt ausgeschlossene Unterschicht? Oder erleben wir nicht vielmehr bereits heute eine Art Gegenbewegung? Als solche verstehe ich zumindest den Schritt Schwedens, den Aufstand vieler Eltern in Spanien, oder den mancher Schweizer Kantone, Handys aus Schulen zu verbannen und den Kindern so ihre Kindheit wiederzugeben. Nicht zu vergessen das am 10. Dezember 2025 in Kraft getrenene Gesetz Australiens, Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung bestimmter Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat zu verbieten. Aber auch die zahlreichen Jugendlichen, die wieder fit werden wollen, im Wald trainieren gehen und sich für ein «gesundes Mindset» interessieren.
Mal ganz abgesehen von den vielen Familien und Freidenkern, die von der Stadt zurück aufs Land ziehen, sich selbst versorgen und in lebendigen Gemeinschaften leben wollen. Sie und viele viele mehr erleben die Weltentrennung, für die die Künstliche Intelligenz zuletzt solch ein Brandbeschleuniger war als zusätzliche Motivation, ihr Leben nicht länger toten Zahlen zu unterwerfen, sich selbst nicht länger einem System, das auf Überwachung anstatt auf Vertrauen beruht, zu unterwerfen, und stattdessen den Schritt zurück in die Natur zu gehen, in neuer-alter Verbundenheit unabhängig und frei zu werden. Folglich ist das für mich alles kein Rückfall in analoge Zeiten, sondern ein Versuch, die Bedingungen für menschliches Werden zu verteidigen.
Ich denke, wir brauchen der Technik gegenüber eine neue Denke. Gleichzeitig weiß ich, dass sich eine solche nicht «diktieren» lässt. Sie kann nur entstehen – organisch, aus dem Menschen durch die Erfahrungen, die er macht. Ohne, aber vielleicht auch mit Technik. Vielleicht braucht es noch eine Weile, bis die Entseeltheit des Digitalen nicht nur für alle sicht-, sondern vor allem spürbar wird – bis immer mehr Menschen merken, dass mit allem, was sie von sich in seine Welt hineingeben, ein Stück ihrer eigenen, inneren Welt verlieren. Das, was dann entstünde, wäre nicht länger eine Haltung, die fragt «Was ist möglich?», sondern: «Was tut mir gut?». Und das nicht im Sinne jener toxischen Wohlfühlbewegung, derzufolge es auch «gesund» wäre, sich ausschließlich von Fast Food zu ernähren, nur um keine Unangenehmlichkeiten gegenüber den eigenen Gewohnheiten zu verursachen. Dieses «gut» wäre grundlegend und im Einklang mit dem, was der Mensch wirklich braucht. Schließlich ist dieser von Natur aus kein Signalprozessor, kein Interface, kein Datenlieferant. Er ist ein Wesen, das Tiefe braucht, Beziehung, Erdung. Im Grunde alles, was die Technik ihm nie wird geben können. Sie schließlich ist ein Werkzeug – aber kein Zuhause. Und darf folglich nicht zum Maß aller Dinge werden.
Was es folglich braucht, ist nicht mehr KI, mehr 5G, mehr smartes Wohnen – sondern ein Zurück zum Echten. Eine Kultur, die nicht auf Beschleunigung, sondern auf Bewusstheit gründet. Genauso wie Demokratie nicht mit Empfangsstärke beginnt, sondern mit Mitsprache. Wenn neue Funkmasten errichtet, neue Kommunikationssysteme implementiert, neue Datenstrategien ausgearbeitet werden, braucht es mehr als technokratische Euphorie. Es braucht Partizipation, Aufklärung, kritische Wissenschaft. Und vor allem: den Mut, auch einmal «Nein» zu sagen. Nicht aus Angst vor dem Neuen, sondern aus Liebe zum Lebendigen. Vielleicht liegt in gerade dieser Begrenzung die eigentliche Freiheit. Und vielleicht wird die nächste Revolution keine technische sein – sondern eine menschliche. Eine Rückkehr zur Frage: Was brauchen wir wirklich, um gut zu leben? Und ist nicht das einzig wahre Netz, in dem wir uns jemals wirklich befinden sollten, das Lebensnetz?
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Wir sollten bei solch geballten Aufzählungen aller möglichen negativen Dinge/Auswirkungen/Möglichkeiten etc., hier im Zusammenhang mit der digitalen Welt, immer auch bedenken, wieviel Energie wir den Dingen damit geben. Nicht nur beim Forumulieren und Schreiben, sondern auch beim Lesen und sich-damit-beschäftigen. Auch wenn im zweiten Teil Deines Textes, liebe Lilly, Lösungen aufgezeigt werden: Meiner Meinung nach überwiegt das Negative.
Die meisten Entwicklungen unserer Zeit können wir nicht aufhalten, vielfach haben wir nicht einmal den Hauch einer Chance, nennenswert Einfluß zu nehmen. Einfluß nehmen können wir jedoch jederzeit bei uns selbst, unseren Kindern, Familie, Freunden sowie im näheren Wohnumfeld. Nicht das "Verteufeln" von Unabwendbarem löst das Problem, sondern das Einordnen und Gegensteuern bei uns selbst: Wie gehe ich mit der Entwicklung XY um? Wo erhalte ich mehr Wissen? Welche Möglichkeiten habe ich, negative Beeinträchtigungen abzuschwächen oder evtl. ganz auszuschalten? Verbote sind da wenig hilfreich. Aufklärung ist die Lösung. Jeder entscheidet dann für sich selber, ja, auch für seine Kinder, ob man es laufen läßt oder gegensteuert. Z.B damit:
Das Handy läuft per GrapheneOS auch komplett Google-frei. Das ist an einigen Stellen gewöhnungsbedürftig, doch eine der Möglichkeiten, die Datenkrake Nr.1 einigermaßen außen vor zu lassen. Der PC läuft hervorragend unter Linux, u.a. mit Libreoffice - nach ein paar Wochen Gewöhnung genauso gut wie Windows. Es gibt für alles Mögliche Lösungen - nur nutzen diese leider nur Wenige. Auf unzähligen Seiten werden praktikable Lösungen gezeigt, das Tracking im Internet auf ein Minimum zu reduzieren. Handystrahlung reduziert man per kabelgebundene Kopfhörer oder dem Handy-Lautsprecher, Verbindung im Auto generell über Kabel. Wenn man 5G selbst nicht nutzt (am Handy abschalten), wird die 5G-Belastung erheblich minimiert. Thema WLAN: Jeder Router ermöglicht das Reduzieren der Leistung auf das notwendige Mindestmaß - und zur Schlafenszeit sollte es per Zeitschaltung aus sein.
Klar, moderne Autos bleiben leider eine Datenschleuder, vor allem die E-Autos. Hier kann man auf ein Minimum begrenzen - es hilft nur wenig. Aber auch da: Kann ich es verhindern? Ich glaube nicht - also akzeptiere ich es und arrangiere mich damit. In nicht allzu ferner Zeit gibt es wohl auch keine Radarfallen mehr - es wird permanent gemessen und bestraft werden. Also fahren wir lieber gar nicht? Oder gemäß den Regeln? Oder Fahrrad - aber mit googlefreiem Handy... ;-)
Geben wir unsere Energie doch lieber dem Positiven, also den Lösungen. Das heißt Akzeptieren von unvermeidbaren Entwicklungen, bei gleichzeitigem Aneignen von Wissen, um bei Bedarf individuell gegensteuern zu können. Es wird immer Möglichkeiten geben.
Ich finde es interessant, die Kommentare zu lesen. Danke Lilly für all Deine Anregungen.
Totalverbote behagen mir selten, für mich vielfach ein Irrweg. Auf dem Schulhof haben Smartphones für mich nichts zu suchen und im Unterricht nur für den technisch sinnvollen Einsatz. Der richtige Umgang, essentiell. Meine Tochter musste früher oft das Gerät abgeben und erhielt es zum Nachhauseweg zurück. Allerdings sollte die Nutzung auch an anderen Orten, Arbeitsplätzen etc. hinterfragt werden. Ich fände es reizvoll, wenn wir als Gesellschaft mehr und mehr einen sinnvolleren Umgang, umsichtig, doch nicht verteufelnd mit all dieser Technik beispielhaft vorlebten. Wir haben auch nicht mehr die Dampfmaschine, obgleich sie wunderschön ist. Doch auch Generationen, welche so gar nicht mit den neuen Techniken aufgewachsen sind, nutzen diese in gleichem Maße grauenhaft.
Eine Freundin meiner Tochter wird Lehrerin und hat bereits viele praktische Erfahrungen sammeln dürfen. Sie lebt ihren Schüler*innen eine andere Version des Umgangs vor, für Details ist hier kein Platz. Sie versucht dies mit Energie, Phantasie und Disziplin durchzusetzen und auch mit viel Gegenwind. Wie wäre es, wenn das Leben spannender wäre als alles auf der "Mattscheibe", die Problematik fing schon vor vielen Jahren an, als man anfing, stumpf vor Sitcoms zu sitzen und EuroNews in Dauerschleife laufen zu lassen. Für die Masse war das scheinbar und ist es noch immer reizvoll. Wobei es natürlich stets das Maß ist, die Maßlosigkeit, welche alles schlecht macht. Man darf nicht vergessen, schon als es nur 3 Fernsehprogramme gab, lebte ein Großteil der Menschen ganz nach dem Sendeplan und ordnete selbst Familienzusammenkünfte dem unter.
Vielleicht geben wir unseren Kindern gar nicht mehr die Möglichkeit, das Spielen zu lernen, für sich selbst zu entdecken. Wann dürfen Kinder heute noch selbstvergessen spielen? Egal ob im Wald, daheim oder auf dem betonierten Hof.
Lernen, Gerald Hüter hat so viele Ideen dazu, auf die fast jeder kommen könnte, mir scheinen sie selbstverständlich, welche Basis für das Lehramtsstudium sein sollten, für alle Eltern und überhaupt für jeden, Lernen bis zum Lebensende, eigentlich wunderbar. Immer wieder Neues, was könnte ein besserer Jungbrunnen sein?
Warum gehen Menschen mit ihren Babys spazieren und halten die ganze Zeit das Smartphone in der Höhe des Köpfchens beim Tragen? Ich lief mit meiner Tochter Kilometer durch Berlin, das Handy, vor mehr als 20 Jahren noch recht simpel, immer für den Notfall irgendwo in der Tasche. Es war so spannend, aufregend, wunderschön, auch mit Smartphone wäre ich nicht anders verfahren. Es ist die quälende Frage nach dem "Warum"? Lilly warf dies an anderer Stelle auf und ich schließe mich an, immer wieder, warum, sind diese Menschen noch meist ohne die Allgegenwärtigkeit von Social Media etc. aufgewachsen? Warum greift das Sichverlieren in dieser Technik so konsequent durch mehrere Generationen um sich?
Man rennt bei Feuer nicht weg, verkennt die Gefahr, filmt noch gar, es war beklemmend einige Videos von dem Brandunglück in der Bar in Crans- Montana zu sehen, übrigens ereignete sich ähnliches mit noch viel mehr Toten bereits vor ein paar Jahren in den USA.
Die Natur ist so wohltuend und unglaublich spannend, auch im Großstadtmoloch, überall gibt es Zeichen, man muss sie erkennen. Vielleicht müssen wir unseren Kindern auch wieder mehr zutrauen, mal allein dort draußen zu sein, mit anderen. Und dann ihnen vielleicht auch mal doch das Smartphone wegnehmen, es aushalten, sie nicht "tracken" zu können, man muss sein Kind nicht alle zig Minuten erreichen können und umgekehrt. Das Leben lernen, geht auch über das Spielen, allein es braucht Raum und Zeit dazu.
Welche Haltung man auch vertritt, eine weitere Inspiration mag ein schon älterer Film sein, "Her", von 2013, eine Vision, ob dystopisch oder nicht, liegt am Betrachter, über den Umgang mit KI und die Auswirkungen auf das Leben, sogar die Liebe; eine in meinen Augen gelungene Story/Betrachtung.
P.S.: Lilly, ich teilte so gerne Deine Hoffnung, dass es bereits eine signifikante Gegenbewegung gibt, leider sehe ich diese nicht, doch ich werde nun mehr die Augen danach aufhalten, mehr danach suchen, vielleicht aufmerksamer sein.