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Avatar von Andreas Balk

Wir sollten bei solch geballten Aufzählungen aller möglichen negativen Dinge/Auswirkungen/Möglichkeiten etc., hier im Zusammenhang mit der digitalen Welt, immer auch bedenken, wieviel Energie wir den Dingen damit geben. Nicht nur beim Forumulieren und Schreiben, sondern auch beim Lesen und sich-damit-beschäftigen. Auch wenn im zweiten Teil Deines Textes, liebe Lilly, Lösungen aufgezeigt werden: Meiner Meinung nach überwiegt das Negative.

Die meisten Entwicklungen unserer Zeit können wir nicht aufhalten, vielfach haben wir nicht einmal den Hauch einer Chance, nennenswert Einfluß zu nehmen. Einfluß nehmen können wir jedoch jederzeit bei uns selbst, unseren Kindern, Familie, Freunden sowie im näheren Wohnumfeld. Nicht das "Verteufeln" von Unabwendbarem löst das Problem, sondern das Einordnen und Gegensteuern bei uns selbst: Wie gehe ich mit der Entwicklung XY um? Wo erhalte ich mehr Wissen? Welche Möglichkeiten habe ich, negative Beeinträchtigungen abzuschwächen oder evtl. ganz auszuschalten? Verbote sind da wenig hilfreich. Aufklärung ist die Lösung. Jeder entscheidet dann für sich selber, ja, auch für seine Kinder, ob man es laufen läßt oder gegensteuert. Z.B damit:

Das Handy läuft per GrapheneOS auch komplett Google-frei. Das ist an einigen Stellen gewöhnungsbedürftig, doch eine der Möglichkeiten, die Datenkrake Nr.1 einigermaßen außen vor zu lassen. Der PC läuft hervorragend unter Linux, u.a. mit Libreoffice - nach ein paar Wochen Gewöhnung genauso gut wie Windows. Es gibt für alles Mögliche Lösungen - nur nutzen diese leider nur Wenige. Auf unzähligen Seiten werden praktikable Lösungen gezeigt, das Tracking im Internet auf ein Minimum zu reduzieren. Handystrahlung reduziert man per kabelgebundene Kopfhörer oder dem Handy-Lautsprecher, Verbindung im Auto generell über Kabel. Wenn man 5G selbst nicht nutzt (am Handy abschalten), wird die 5G-Belastung erheblich minimiert. Thema WLAN: Jeder Router ermöglicht das Reduzieren der Leistung auf das notwendige Mindestmaß - und zur Schlafenszeit sollte es per Zeitschaltung aus sein.

Klar, moderne Autos bleiben leider eine Datenschleuder, vor allem die E-Autos. Hier kann man auf ein Minimum begrenzen - es hilft nur wenig. Aber auch da: Kann ich es verhindern? Ich glaube nicht - also akzeptiere ich es und arrangiere mich damit. In nicht allzu ferner Zeit gibt es wohl auch keine Radarfallen mehr - es wird permanent gemessen und bestraft werden. Also fahren wir lieber gar nicht? Oder gemäß den Regeln? Oder Fahrrad - aber mit googlefreiem Handy... ;-)

Geben wir unsere Energie doch lieber dem Positiven, also den Lösungen. Das heißt Akzeptieren von unvermeidbaren Entwicklungen, bei gleichzeitigem Aneignen von Wissen, um bei Bedarf individuell gegensteuern zu können. Es wird immer Möglichkeiten geben.

Avatar von Claudia Radow

Ich finde es interessant, die Kommentare zu lesen. Danke Lilly für all Deine Anregungen.

Totalverbote behagen mir selten, für mich vielfach ein Irrweg. Auf dem Schulhof haben Smartphones für mich nichts zu suchen und im Unterricht nur für den technisch sinnvollen Einsatz. Der richtige Umgang, essentiell. Meine Tochter musste früher oft das Gerät abgeben und erhielt es zum Nachhauseweg zurück. Allerdings sollte die Nutzung auch an anderen Orten, Arbeitsplätzen etc. hinterfragt werden. Ich fände es reizvoll, wenn wir als Gesellschaft mehr und mehr einen sinnvolleren Umgang, umsichtig, doch nicht verteufelnd mit all dieser Technik beispielhaft vorlebten. Wir haben auch nicht mehr die Dampfmaschine, obgleich sie wunderschön ist. Doch auch Generationen, welche so gar nicht mit den neuen Techniken aufgewachsen sind, nutzen diese in gleichem Maße grauenhaft.

Eine Freundin meiner Tochter wird Lehrerin und hat bereits viele praktische Erfahrungen sammeln dürfen. Sie lebt ihren Schüler*innen eine andere Version des Umgangs vor, für Details ist hier kein Platz. Sie versucht dies mit Energie, Phantasie und Disziplin durchzusetzen und auch mit viel Gegenwind. Wie wäre es, wenn das Leben spannender wäre als alles auf der "Mattscheibe", die Problematik fing schon vor vielen Jahren an, als man anfing, stumpf vor Sitcoms zu sitzen und EuroNews in Dauerschleife laufen zu lassen. Für die Masse war das scheinbar und ist es noch immer reizvoll. Wobei es natürlich stets das Maß ist, die Maßlosigkeit, welche alles schlecht macht. Man darf nicht vergessen, schon als es nur 3 Fernsehprogramme gab, lebte ein Großteil der Menschen ganz nach dem Sendeplan und ordnete selbst Familienzusammenkünfte dem unter.

Vielleicht geben wir unseren Kindern gar nicht mehr die Möglichkeit, das Spielen zu lernen, für sich selbst zu entdecken. Wann dürfen Kinder heute noch selbstvergessen spielen? Egal ob im Wald, daheim oder auf dem betonierten Hof.

Lernen, Gerald Hüter hat so viele Ideen dazu, auf die fast jeder kommen könnte, mir scheinen sie selbstverständlich, welche Basis für das Lehramtsstudium sein sollten, für alle Eltern und überhaupt für jeden, Lernen bis zum Lebensende, eigentlich wunderbar. Immer wieder Neues, was könnte ein besserer Jungbrunnen sein?

Warum gehen Menschen mit ihren Babys spazieren und halten die ganze Zeit das Smartphone in der Höhe des Köpfchens beim Tragen? Ich lief mit meiner Tochter Kilometer durch Berlin, das Handy, vor mehr als 20 Jahren noch recht simpel, immer für den Notfall irgendwo in der Tasche. Es war so spannend, aufregend, wunderschön, auch mit Smartphone wäre ich nicht anders verfahren. Es ist die quälende Frage nach dem "Warum"? Lilly warf dies an anderer Stelle auf und ich schließe mich an, immer wieder, warum, sind diese Menschen noch meist ohne die Allgegenwärtigkeit von Social Media etc. aufgewachsen? Warum greift das Sichverlieren in dieser Technik so konsequent durch mehrere Generationen um sich?

Man rennt bei Feuer nicht weg, verkennt die Gefahr, filmt noch gar, es war beklemmend einige Videos von dem Brandunglück in der Bar in Crans- Montana zu sehen, übrigens ereignete sich ähnliches mit noch viel mehr Toten bereits vor ein paar Jahren in den USA.

Die Natur ist so wohltuend und unglaublich spannend, auch im Großstadtmoloch, überall gibt es Zeichen, man muss sie erkennen. Vielleicht müssen wir unseren Kindern auch wieder mehr zutrauen, mal allein dort draußen zu sein, mit anderen. Und dann ihnen vielleicht auch mal doch das Smartphone wegnehmen, es aushalten, sie nicht "tracken" zu können, man muss sein Kind nicht alle zig Minuten erreichen können und umgekehrt. Das Leben lernen, geht auch über das Spielen, allein es braucht Raum und Zeit dazu.

Welche Haltung man auch vertritt, eine weitere Inspiration mag ein schon älterer Film sein, "Her", von 2013, eine Vision, ob dystopisch oder nicht, liegt am Betrachter, über den Umgang mit KI und die Auswirkungen auf das Leben, sogar die Liebe; eine in meinen Augen gelungene Story/Betrachtung.

P.S.: Lilly, ich teilte so gerne Deine Hoffnung, dass es bereits eine signifikante Gegenbewegung gibt, leider sehe ich diese nicht, doch ich werde nun mehr die Augen danach aufhalten, mehr danach suchen, vielleicht aufmerksamer sein.

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