Diskussion über diese Post

Avatar von User
Avatar von Rosenwasser

Danke, für diesen Text, der mein Innerstes berührt und für mich wahrer nicht sein könnte.

Beseelte Worte, die so voll sind, mich erinnern, mich berühren, mich ins fliessen bringen und in mir automatisch das Bedürfnis erwecken, zu schenken: Liebe, Präsenz, Nähe usw. Mich zu zeigen, mich zuzumuten, mit allem was in mir lebt: in meiner ganzen Lebendigkeit.

DANKE 🙏🏻

Avatar von Ingrid

Liebe Lilly, ich komme gerade von unserer gemeinsamen Sing-Meditation, die ich zusammen mit mindestens einer Freundin den ganzen Juli jeden Tag um 5h morgens durchführe. Der Raum, den wir heute wählten - ein kleines Kirchlein hoch auf einem Felsen - entpuppte sich als fantastischen Klangraum, der unsere beiden Stimmen wunderbar verschmolzen hat und darüber hinaus über die entstandenen Obertöne einen wahren Chor an Klängen entstehen liess...

Bei der Lektüre deines Textes habe ich mich gefragt, ob es wirklich ein Du braucht, um das Ich zu erkennen. Meiner Erfahrung nach braucht es dies nicht, denn wen wir etwas BRAUCHEN, war da vorher eine Art von Mangel. Wir sind vom Ursprung her nicht geteilt, nicht teilweise, sondern immer ein Ganzes, welches sich selber genügen könnte. Die Frage ist, weshalb wir uns geteilt, zerstückelt, mangelhaft, falsch sehen und deshalb ein Gegenüber bräuchten, um eine Verbindung der Teile herzustellen, um von dem eine "richtige" Sichtweise, eine Belohnung, Liebe zu erhalten usw.? Zu viele Programme und Vorgaben seit Kindheit haben uns soweit gebracht zu denken, wir seien geteilt. Und ja, in gewissem Sinn sind wir dies tatsächlich: in eine innere Welt der Wahrnehmung(sübersetzung) und eine äussere Welt, an der wir anhaften, weil sie uns glauben macht und denken lässt, wir seien so, wie SIE uns sieht und beurteilt.

Jedoch, solange wir keine Grenzen spüren, können wir uns selbst als Ich in unserem Innenraum gar nicht erkennen. D.h. ein Finden von Grenzen, also letztlich ein Abscheiden, ein Teilen des Ganzes durch Berührung - sei es durch eine Umarmung, durch den Boden unter den Füssen fühlen, den Baumstamm im Rücken, wenn wir an ihm anlehnen, dem Zuhören der unterschiedlichen Argumente in einer Diskussion etc. - ist unerlässlich, um mich als Selbst zu erkennen und Bewusst-Sein erfahren. Das können wir schon beim kleinen Kind erkennen: es sucht die Grenzen, geht bis an den äussersten Rand. Eine Ab-Grenzung ist notwendig, aber nicht, um einen angeblichen Mangel aufzufüllen, um vom Aussen gehört und bestätigt zu werden...

Wir können Grenzen im Aussen unter-suchen und auch uns selbst in uns drinnen er-spüren, denn unser Leib und unsere Persönlichkeit in dieser Realität ist gewissermassen die Hülle, der Träger und das Werkzeug für unser Selbst(-Bewusstsein).

Nun ist es so, dass alles, was wir mit unseren Sinnen im Aussen wie in unserem Leib wahrnehmen, ein elektrisches Kraftfeld, eine elektrische Re-produktion in unserem Gehirn entstehen lässt. Das ist Lernen, das ist Ver-innerlichung. So entsteht Rilkes Weltinnenraum...

Wenn wir aber mit Vor-Urteilen an die Untersuchung herangehen, entstehen "falsche", ver-rückte Reproduktionen, unreine Felder, unsere Wahrnehmung wird getrübt und das wiederum führt zu Missverständnissen, Unverständnis, Traumen, Konflikte, Mangelgefühlen usw. Die Konditionierung seit Geburt durch Erziehung, Schule, Gesetze, Werbung, Propaganda, Politik, Smartphone, elektromagnetische Impuls-Waffen... manipuliert unsere Wahrnehmung, so dass wir voller Vor-Urteile sind....

Es ist deshalb ein steiniger Weg, den wir womöglich gehen müssen, um wirklich frei, unabhängig Liebe erfahren zu können: zuerst müssen wir erkennen, dass es ein Ich in mir drinnen (nicht die Persönlichkeit...) gibt, um dann durch all die programmierten Schichten dies überhaupt ganz klein fühlen zu lernen.

Dann gilt es, die Schichten als das zu erkennen, was sie sind, nämlich nicht als zu uns gehörend, sondern als etwas, was uns von aussen aufgedrückt wird. Wir SIND (als wahres Sein) aber NICHT das Produkt dieser Aussenwelt! Dies bis hierher erkannt zu haben, ist hart und möglicherweise sind an diesem Punkt auch so viele Künstler zerbrochen, denn hier können Depressionen entstehen. Alles, was man bisher als richtig und wahr angenommen hat, entpuppt sich als Projektion, als Schattenwelt an der Wand in Platons Höhle... Es kann einem den Boden unter den Füssen wegziehen, man fällt ins Bodenlose, ins Nichts... hier wissen wir nur noch mit Sicherheit, dass es ein Ich gibt (Solipsismus) und das ist der letzte Halm, an den wir uns klammern können, um von da einen anderen Weg zu wählen. Das braucht Mut, denn es verlangt nach einer Entscheidung: die Welt zu verlassen oder trotzdem gerade weiter zu gehen.

Je mehr dieser Schichten wir mit unserem kleinen Ich durchdrungen haben, umso mehr lösen sie sich auf und unsere Selbst tritt hervor, PRÄSENTIERT sich, Schöpfungsenergie wird generiert, das muss uns sehr klar bewusst sein! Wir sind die Erschaffer, die Schöpfer unserer Wirklichkeit.

So beginnt das wahre Leben: aus dem reinen Selbst heraus können wir echte und neutrale (urteils-freie) Begegnungen mit Mensch und Natur auf Augenhöhe erleben. Das Leben kann sich Moment für Moment in allen Facetten entfalten. Wahre, echte, tragende Gemeinschaften können entstehen...

Es geht nicht um Bindungen, da wir nie geteilt waren und sind, sondern um Begegnung - letztlich immer mit uns selbst....

10 weitere Kommentare …

Keine Posts

Sind Sie bereit für mehr?