Danke Lilly für dein Sein und dein Schreiben. Und danke dass du mich wieder an den Waldgänger erinnert hast. Das kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Synchronizität de luxe.
Vielen Dank für Dein Tagebuch zu Ernst Jünger und die vielen Gedanken rundherum.
Deine nicht gerade freundlichen Bemerkungen zu den Boomern bewegen mich als Boomerin ein etwas anderes Licht auf meine Generation zu werfen, als Du es tust. Du beanstandest, dass wir nicht bereit seien, das Böse anzuschauen vor allem nicht in uns drin. Das trifft auf mich und meine ganz engen Freunde nicht zu. Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir Boomer zumindest in unserer Jugend die Pioniere waren, was die Auseinandersetzung mit dem Bösen in Form unserer Neurosen und Depressionen betrifft. Damals in den 60er-Jahren wurde die Psychoanalyse Freuds und C.G. Jungs erstmals in der Breite wirksam. Man begann in Therapien zu gehen und eine Zeit lang war es möglich, mit vielen von uns über unsere Zwänge, unser Leiden und Unzulänglichkeiten zu reden. Mit der Zeit ging das allmählich weniger, und ich weiß noch heute nicht genau weshalb. Ich habe es der nachfolgenden Generation, den Yuppies zugeschrieben, die plötzlich wieder wirtschafts- und fortschrittskonform waren und die sich für gesunde Ernährung interessierte. Vielleicht hatte es auch mit dem erlahmenden Jugendelan zu tun. Die hochfliegenden Ideale waren eben weniger leicht zu verwirklichen, als es in der Aufbruchstimmung schien. Mir scheint, dass die Verbürgerlichung und das sich gemütlich machen leider Begleiterscheinungen des Älterwerdens sind. Der Job, die Familie, die Existenzsicherung und schließlich das Nachlassen der Kräfte tragen alle dazu bei. Es wird bei Deiner Generation vermutlich nicht anders sein, auch wenn es immer Menschen gibt, die eine Ausnahme bilden. Was mir auffällt an Deiner Generation. Ihr fängt bei einem ganz anderen Punkt an als wir Boomer es konnten. Das ist Euch möglich, weil Ihr auf unseren Schultern steht, wie auch wir schon auf den Schultern unserer Vorfahren standen. Ihr habt also das, was Ihr als Euren Vorzug betrachtet, zu einem guten Teil uns gemütlichen Boomern zu verdanken, unseren Verdiensten ebenso wie unseren Irrtümern. Und nicht zuletzt. Boomer finde ich eine despektierliche Bezeichnung für unsere Generation, als ob es sich dabei um eine Menschenguppe handelte, die nur für die Fortpflanzung einschließlich gemütlichem Häusle und Garten gelebt hätte. Alles andere ist der Fall. Unsere Generation hat revoltiert, mit alten Zöpfen aufgeräumt, Tabus gebrochen und das in einem Ausmaß, das weite Teile der Gesellschaft erfasste, wie es so bis heute nicht mehr gelungen ist.
Herzensdank ❤️ liebe Lilly, dass du uns wieder an deinen wertvollen Gedanken teilhaben lässt. Du hast vieles von dem angerissen, was auch mich immer wieder beschäftigt, und in sehr vielen deiner Aussagen finde ich mich wieder. Da es hier nicht möglich ist, auf alles einzugehen, lediglich kurz zu deinen Gedankengängen vom 21. April. Die Frage, wo und wie du in Zukunft leben möchtest bzw. ob du am richtigen Ort bist, da wo du bist... Auch ich habe Deutschland bereits den Rücken gekehrt.... Aus verschiedenen Gründen.
Bei mir war immer schon das Meer "der Ort", wo ich mich am besten aufgehoben fühlte. Doch zuerst ging's für Jahre in die Hügel der Mauren.... Die Sehnsucht nach dem Meer blieb, obwohl ich auch "in den Hügeln" vieles fand, das mich (meine Seele) nährte.... Doch das bewegte Wasser bewirkt schier Unglaubliches in meinem Inneren und vermag mich mit einer speziellen Energie anzureichern, die extrem stärkend auf mich einwirkt. Also auf ans Meer...
Was aber dann weiter, wenn ich "DIESEN Ort" (den Sehnsuchtsort) als Wohnstatt wähle? Bzw. bin ich aktuell dabei, genau dies zu tun, weil ich glaube, DIESEN Ort gefunden zu haben. Nicht zu weit weg in der Pampa, also nicht zuuuu einsam, aber weit genug weg, dass ich mich nicht gestört fühle von städtischem Lärm, Hektik etc. ... Ein kleines Nest, etwas außerhalb von einem Ort (den ich sehr mag), der alles bereit hält, was ich brauche, das habe ich nun gefunden. Klein, die Wohnstatt... kein Haus wie in den Hügeln... Ob es "das Richtige" ist oder nur eine Zwischenstation wird sich zeigen. Auf alle Fälle ein Versuch....
Ich liebe die Ruhe, aber ich sehne mich auch nach Gemeinschaft. Nach Gemeinschaft mit Menschen, die geistig wach, seelisch bei sich Selbst angekommen, erkenntnishungrig und erkenntnisfähig sind. Sich Fragen stellen und Antworten suchen, was unsere spirituelle Existenz wie auch unser SEIN auf Mutter Erde, unsere Inkarnation in dieser Welt und die damit verbundenen Herausforderungen betrifft. Und ja, für einen ergiebigen Austausch ist es unumgänglich, die gleiche Sprache zu sprechen. Etwas, das du ja auch treffend an anderer Stelle bemerkst...
Was ist die Lösung? Leider bin ich in einem Land, dessen Sprache ich nicht fließend spreche... Was mich an einem tiefgreifenden Austausch mit meinen Nachbarn hindert.... Und vielleicht wird es keinen "von euch" dorthin ziehen, wo ich bin.... Vielleicht hat ja jeder seinen ganz individuellen Sehnsuchtsort auf dieser Erde (aus karmischen / astrologischen Gründen). Oder es sind andere, und vielleicht sogar unbewusste Motive, warum es den einen in die Berge und den anderen ans Meer zieht bzw. in dieses oder jenes Land... Wir daher versprengte Seelen auf dem Erdball sind....
Und hier lieferst du, liebe Lilly, mit deiner heutigen Frage in deinem Telegram Kanal den Hoffnungsschimmer 🙏💫✨ Gemeinschaftliches Zusammensein kann heutzutage ja zum Glück auch online stattfinden. Auch wenn es nicht dasselbe ist, wie leibhaftige Treffen, so ist es doch ein Anfang.... Daher weite deine Präsenz bitte UNBEDINGT aus auf diese Kanäle.
Selbst wenn leibhaftiges Zusammensein das ist, was wir wahrscheinlich alle anstreben, so sollten wir - solange dies nicht möglich ist - uns "im Rahmen des Möglichen" verbinden.
Liebe Lilly, danke für dein Wirken und besonders für das Teilen deiner Tagebuchaufzeichnungen. So viele Anknüpfungspunkte für abendfüllenden Austausch! Auch ich gehöre zu den "Boomern", und es berührt mich auf eine Weise, die ich noch nicht in Worte fassen kann, nüchterne, analytische und irgendwie unbeteiligte Zuschreibungen über meine Generation zu lesen. Ich musste zwei Schritte denken, um zu begreifen, dass auch ich damit gemeint bin, fühle und fühlte ich mich doch meiner Generation und meiner Zeit nie so richtig zugehörig. Gleichwohl spüre ich den Impuls, nicht zu rechtfertigen, aber einen Aspekt zur Erklärung beizutragen. Wir als Kriegsenkel tragen energetisch und auch als Folge unserer Erziehung durch die Kriegskinder, unsere Eltern, Konflikte und Traumata in uns, deren Bewusstmachung und Verarbeitung teilweise bis heute andauert. Für mich sind beim Übergang ins Berufsleben die grundlegenden Fragen des Lebens zunehmend in den Hintergrund geraten, da die Beschleunigung und fortschreitende Unmenschlichkeit des Arbeitslebens mich am Ende des Tages so müde gemacht hatten, dass ich noch nicht einmal in der Lage war, über einen Ausstieg auch nur nachzudenken. "Gemütlich" war das nie. Vielmehr das kräftezehrende Gefühl, dass wesentliche Fragen in mir auf Antwort pochten, ich aber zu müde war, die Fragen auch nur zu formulieren, geschweige denn zu beantworten. Erst nach dem durch Burnout erzwungenen Ausstieg aus dem Berufsleben gelingt es mir in einem jahrelangen Prozess, mich tiefgehend den wesentlichen Fragen des Individuellen und kollektiven Lebens zu stellen. Ich weiß von zahlreichen Angehörigen der "Boomer", die vergleichbare Erfahrungen haben. Dennoch sehe ich in allen Generationen die "Gemütlichen", es scheinen viele zu sein. Mir kommt dabei Michael Andricks Begriff "Funktionäre" aus seinem Buch "Erfolgsleere" in den Sinn. Die Gründe für dieses Phänomen scheinen mir eher gesellschaftlicher und politischer Natur zu sein und nicht in erster Linie eine Generationenfrage.
Danke Lilly für dein Sein und dein Schreiben. Und danke dass du mich wieder an den Waldgänger erinnert hast. Das kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Synchronizität de luxe.
Lieber Eric, das freut mich. Ganz herzlich, Lilly
Liebe Lilly
Vielen Dank für Dein Tagebuch zu Ernst Jünger und die vielen Gedanken rundherum.
Deine nicht gerade freundlichen Bemerkungen zu den Boomern bewegen mich als Boomerin ein etwas anderes Licht auf meine Generation zu werfen, als Du es tust. Du beanstandest, dass wir nicht bereit seien, das Böse anzuschauen vor allem nicht in uns drin. Das trifft auf mich und meine ganz engen Freunde nicht zu. Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir Boomer zumindest in unserer Jugend die Pioniere waren, was die Auseinandersetzung mit dem Bösen in Form unserer Neurosen und Depressionen betrifft. Damals in den 60er-Jahren wurde die Psychoanalyse Freuds und C.G. Jungs erstmals in der Breite wirksam. Man begann in Therapien zu gehen und eine Zeit lang war es möglich, mit vielen von uns über unsere Zwänge, unser Leiden und Unzulänglichkeiten zu reden. Mit der Zeit ging das allmählich weniger, und ich weiß noch heute nicht genau weshalb. Ich habe es der nachfolgenden Generation, den Yuppies zugeschrieben, die plötzlich wieder wirtschafts- und fortschrittskonform waren und die sich für gesunde Ernährung interessierte. Vielleicht hatte es auch mit dem erlahmenden Jugendelan zu tun. Die hochfliegenden Ideale waren eben weniger leicht zu verwirklichen, als es in der Aufbruchstimmung schien. Mir scheint, dass die Verbürgerlichung und das sich gemütlich machen leider Begleiterscheinungen des Älterwerdens sind. Der Job, die Familie, die Existenzsicherung und schließlich das Nachlassen der Kräfte tragen alle dazu bei. Es wird bei Deiner Generation vermutlich nicht anders sein, auch wenn es immer Menschen gibt, die eine Ausnahme bilden. Was mir auffällt an Deiner Generation. Ihr fängt bei einem ganz anderen Punkt an als wir Boomer es konnten. Das ist Euch möglich, weil Ihr auf unseren Schultern steht, wie auch wir schon auf den Schultern unserer Vorfahren standen. Ihr habt also das, was Ihr als Euren Vorzug betrachtet, zu einem guten Teil uns gemütlichen Boomern zu verdanken, unseren Verdiensten ebenso wie unseren Irrtümern. Und nicht zuletzt. Boomer finde ich eine despektierliche Bezeichnung für unsere Generation, als ob es sich dabei um eine Menschenguppe handelte, die nur für die Fortpflanzung einschließlich gemütlichem Häusle und Garten gelebt hätte. Alles andere ist der Fall. Unsere Generation hat revoltiert, mit alten Zöpfen aufgeräumt, Tabus gebrochen und das in einem Ausmaß, das weite Teile der Gesellschaft erfasste, wie es so bis heute nicht mehr gelungen ist.
Liebe Monika, danke für deinen Blick auf deine Generation. Ich antworte dir dazu die Tage nochmal ausführlicher. Muss noch nachdenken. Herzlich, Lilly
Herzensdank ❤️ liebe Lilly, dass du uns wieder an deinen wertvollen Gedanken teilhaben lässt. Du hast vieles von dem angerissen, was auch mich immer wieder beschäftigt, und in sehr vielen deiner Aussagen finde ich mich wieder. Da es hier nicht möglich ist, auf alles einzugehen, lediglich kurz zu deinen Gedankengängen vom 21. April. Die Frage, wo und wie du in Zukunft leben möchtest bzw. ob du am richtigen Ort bist, da wo du bist... Auch ich habe Deutschland bereits den Rücken gekehrt.... Aus verschiedenen Gründen.
Bei mir war immer schon das Meer "der Ort", wo ich mich am besten aufgehoben fühlte. Doch zuerst ging's für Jahre in die Hügel der Mauren.... Die Sehnsucht nach dem Meer blieb, obwohl ich auch "in den Hügeln" vieles fand, das mich (meine Seele) nährte.... Doch das bewegte Wasser bewirkt schier Unglaubliches in meinem Inneren und vermag mich mit einer speziellen Energie anzureichern, die extrem stärkend auf mich einwirkt. Also auf ans Meer...
Was aber dann weiter, wenn ich "DIESEN Ort" (den Sehnsuchtsort) als Wohnstatt wähle? Bzw. bin ich aktuell dabei, genau dies zu tun, weil ich glaube, DIESEN Ort gefunden zu haben. Nicht zu weit weg in der Pampa, also nicht zuuuu einsam, aber weit genug weg, dass ich mich nicht gestört fühle von städtischem Lärm, Hektik etc. ... Ein kleines Nest, etwas außerhalb von einem Ort (den ich sehr mag), der alles bereit hält, was ich brauche, das habe ich nun gefunden. Klein, die Wohnstatt... kein Haus wie in den Hügeln... Ob es "das Richtige" ist oder nur eine Zwischenstation wird sich zeigen. Auf alle Fälle ein Versuch....
Ich liebe die Ruhe, aber ich sehne mich auch nach Gemeinschaft. Nach Gemeinschaft mit Menschen, die geistig wach, seelisch bei sich Selbst angekommen, erkenntnishungrig und erkenntnisfähig sind. Sich Fragen stellen und Antworten suchen, was unsere spirituelle Existenz wie auch unser SEIN auf Mutter Erde, unsere Inkarnation in dieser Welt und die damit verbundenen Herausforderungen betrifft. Und ja, für einen ergiebigen Austausch ist es unumgänglich, die gleiche Sprache zu sprechen. Etwas, das du ja auch treffend an anderer Stelle bemerkst...
Was ist die Lösung? Leider bin ich in einem Land, dessen Sprache ich nicht fließend spreche... Was mich an einem tiefgreifenden Austausch mit meinen Nachbarn hindert.... Und vielleicht wird es keinen "von euch" dorthin ziehen, wo ich bin.... Vielleicht hat ja jeder seinen ganz individuellen Sehnsuchtsort auf dieser Erde (aus karmischen / astrologischen Gründen). Oder es sind andere, und vielleicht sogar unbewusste Motive, warum es den einen in die Berge und den anderen ans Meer zieht bzw. in dieses oder jenes Land... Wir daher versprengte Seelen auf dem Erdball sind....
Und hier lieferst du, liebe Lilly, mit deiner heutigen Frage in deinem Telegram Kanal den Hoffnungsschimmer 🙏💫✨ Gemeinschaftliches Zusammensein kann heutzutage ja zum Glück auch online stattfinden. Auch wenn es nicht dasselbe ist, wie leibhaftige Treffen, so ist es doch ein Anfang.... Daher weite deine Präsenz bitte UNBEDINGT aus auf diese Kanäle.
Selbst wenn leibhaftiges Zusammensein das ist, was wir wahrscheinlich alle anstreben, so sollten wir - solange dies nicht möglich ist - uns "im Rahmen des Möglichen" verbinden.
❤️lichst Jutta
Liebe Lilly, danke für dein Wirken und besonders für das Teilen deiner Tagebuchaufzeichnungen. So viele Anknüpfungspunkte für abendfüllenden Austausch! Auch ich gehöre zu den "Boomern", und es berührt mich auf eine Weise, die ich noch nicht in Worte fassen kann, nüchterne, analytische und irgendwie unbeteiligte Zuschreibungen über meine Generation zu lesen. Ich musste zwei Schritte denken, um zu begreifen, dass auch ich damit gemeint bin, fühle und fühlte ich mich doch meiner Generation und meiner Zeit nie so richtig zugehörig. Gleichwohl spüre ich den Impuls, nicht zu rechtfertigen, aber einen Aspekt zur Erklärung beizutragen. Wir als Kriegsenkel tragen energetisch und auch als Folge unserer Erziehung durch die Kriegskinder, unsere Eltern, Konflikte und Traumata in uns, deren Bewusstmachung und Verarbeitung teilweise bis heute andauert. Für mich sind beim Übergang ins Berufsleben die grundlegenden Fragen des Lebens zunehmend in den Hintergrund geraten, da die Beschleunigung und fortschreitende Unmenschlichkeit des Arbeitslebens mich am Ende des Tages so müde gemacht hatten, dass ich noch nicht einmal in der Lage war, über einen Ausstieg auch nur nachzudenken. "Gemütlich" war das nie. Vielmehr das kräftezehrende Gefühl, dass wesentliche Fragen in mir auf Antwort pochten, ich aber zu müde war, die Fragen auch nur zu formulieren, geschweige denn zu beantworten. Erst nach dem durch Burnout erzwungenen Ausstieg aus dem Berufsleben gelingt es mir in einem jahrelangen Prozess, mich tiefgehend den wesentlichen Fragen des Individuellen und kollektiven Lebens zu stellen. Ich weiß von zahlreichen Angehörigen der "Boomer", die vergleichbare Erfahrungen haben. Dennoch sehe ich in allen Generationen die "Gemütlichen", es scheinen viele zu sein. Mir kommt dabei Michael Andricks Begriff "Funktionäre" aus seinem Buch "Erfolgsleere" in den Sinn. Die Gründe für dieses Phänomen scheinen mir eher gesellschaftlicher und politischer Natur zu sein und nicht in erster Linie eine Generationenfrage.