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Avatar von Eric Engel

Danke Lilly für dein Sein und dein Schreiben. Und danke dass du mich wieder an den Waldgänger erinnert hast. Das kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Synchronizität de luxe.

Avatar von Monika Kasper

Liebe Lilly

Vielen Dank für Dein Tagebuch zu Ernst Jünger und die vielen Gedanken rundherum.

Deine nicht gerade freundlichen Bemerkungen zu den Boomern bewegen mich als Boomerin ein etwas anderes Licht auf meine Generation zu werfen, als Du es tust. Du beanstandest, dass wir nicht bereit seien, das Böse anzuschauen vor allem nicht in uns drin. Das trifft auf mich und meine ganz engen Freunde nicht zu. Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir Boomer zumindest in unserer Jugend die Pioniere waren, was die Auseinandersetzung mit dem Bösen in Form unserer Neurosen und Depressionen betrifft. Damals in den 60er-Jahren wurde die Psychoanalyse Freuds und C.G. Jungs erstmals in der Breite wirksam. Man begann in Therapien zu gehen und eine Zeit lang war es möglich, mit vielen von uns über unsere Zwänge, unser Leiden und Unzulänglichkeiten zu reden. Mit der Zeit ging das allmählich weniger, und ich weiß noch heute nicht genau weshalb. Ich habe es der nachfolgenden Generation, den Yuppies zugeschrieben, die plötzlich wieder wirtschafts- und fortschrittskonform waren und die sich für gesunde Ernährung interessierte. Vielleicht hatte es auch mit dem erlahmenden Jugendelan zu tun. Die hochfliegenden Ideale waren eben weniger leicht zu verwirklichen, als es in der Aufbruchstimmung schien. Mir scheint, dass die Verbürgerlichung und das sich gemütlich machen leider Begleiterscheinungen des Älterwerdens sind. Der Job, die Familie, die Existenzsicherung und schließlich das Nachlassen der Kräfte tragen alle dazu bei. Es wird bei Deiner Generation vermutlich nicht anders sein, auch wenn es immer Menschen gibt, die eine Ausnahme bilden. Was mir auffällt an Deiner Generation. Ihr fängt bei einem ganz anderen Punkt an als wir Boomer es konnten. Das ist Euch möglich, weil Ihr auf unseren Schultern steht, wie auch wir schon auf den Schultern unserer Vorfahren standen. Ihr habt also das, was Ihr als Euren Vorzug betrachtet, zu einem guten Teil uns gemütlichen Boomern zu verdanken, unseren Verdiensten ebenso wie unseren Irrtümern. Und nicht zuletzt. Boomer finde ich eine despektierliche Bezeichnung für unsere Generation, als ob es sich dabei um eine Menschenguppe handelte, die nur für die Fortpflanzung einschließlich gemütlichem Häusle und Garten gelebt hätte. Alles andere ist der Fall. Unsere Generation hat revoltiert, mit alten Zöpfen aufgeräumt, Tabus gebrochen und das in einem Ausmaß, das weite Teile der Gesellschaft erfasste, wie es so bis heute nicht mehr gelungen ist.

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