Die Heimatfrage
Ankommen. Nur wo? Und bei wem? Oder.. was?
Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n —
Wohl dem‚ der jetzt noch — Heimat hat!
― Friedrich Nietzsche, Vereinsamt
Irgendwann Ende 2020 wollte ich mit einem der Professoren am Geografischen Institut das Thema meiner Bachelorarbeit festlegen. Ich selber war in den zuvorgegangenen drei Jahren Studium weder mit der Humangeografie noch mit der Physischen Geografie so richtig warmgeworden. Meine eigentliche Passion – wer hätte es gedacht – fand ich mehr im freien Wahlbereich, den ich bereits seit dem zweiten Semester mit einem Übermaß an Philosophiemodulen zu füllen wusste. Entsprechend «philosophisch» fiel dann auch meine Idee für die Bachelorarbeit aus. Über den Begriff «Heimat» wollte ich schreiben.
Das ging bei besagtem Professor jedoch nicht durch. Vielleicht hat er damals noch nicht die Begriffe verwandt, die ihm bei der Stimmung im Land heute zur Verfügung stünden, aber über Heimat – das vermittelte er mir relativ eindeutig – schreibe man nicht. Der Begriff hätte schließlich eine Vergangenheit, die wir besser vergessen sollten und sowieso sei der Gedanke von «Heimat» etwas eher «Völkisches», dessen Idee ich ja freilich nicht vertreten wolle. Kurz: Das Konzept von «Heimat» erschien der nur in sozial konstruierten Theorien schwafelnden und sich damit als «progressiv» erachtenden Kulturgeografie als zu bedrohlich. Was für mich aus heutiger Sicht sehr viel Sinn ergibt. Was nämlich, wenn sich ihre gesamte Daseinsberechtigung einzig und allein aus einer Lücke speist – dem Fehlen einer Heimat?
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Spannend ist nämlich, dass ich das Themenproblem meiner Bachelorarbeit damals dadurch lösen konnte, als dass ich den Begriff der Heimat durch den des «Psychotops» ausgetauscht habe: Ein Ort, an dem sich der Mensch von innen her mit der ihn umgebenen Natur verbindet? Ja – also wenn es darum geht, durch eine emotionale Verbindlichkeit den Menschen zu mehr Nachhaltigkeit anzustiften, dann hat die Geografie plötzlich nichts mehr gegen so etwas wie «Weltbezogenheit».
«Weltbezogenheit. Leibliche Naturbegegnungen im Psychotop», das war letztendlich auch der Titel meiner Bachelorarbeit. Unglaublich verkopft und komprimiert geschrieben, aber von mir inhaltlich bis heute größtenteils vertretbar. Meine These: Die Betriebsamkeit der «modernen» Welt haben wir bereits zu sehr verinnerlicht, um noch Fundamentalkritik an ihr zu üben. Wir können noch so oft «erkennen», dass diese «mechanisierte Existenz» unser Leben nur noch hektischer und entseelter macht – wir können ihrem Rad nicht entkommen, indem wir dieses immer weiter optimieren. Stattdessen ist es der, bereits von den Romantikern diagnostizierte, Riss durch die Welt und ihre Herzen, den es zu schließen gilt, ehe wir final in ihm verschwinden.
Sämtliche Dimensionen innerer wie äußerer Fragmentierung längst überschritten, schien es mir schon damals unumgänglich, «sich einzugestehen, dass der, dieser Zerrissenheit entspringende, Wunsch nach Heilung sich nicht innerhalb des Epizentrums ihrer Dysfunktionalität, dem wissenschaftlichen Weltbild, erfüllen lässt». Dafür als notwendig erschien mir vielmehr, mittels Selbstkonfrontation und Eigenverantwortung erneut an Vollständigkeit und Tiefe zu gewinnen. Nicht durch Selbsthilferatgeber, Achtsamkeitsworkshops oder eine weitere Studienarbeit darüber, wie dem Menschen Nachhaltigkeit jetzt ein für alle Mal richtig zu «erklären» sei. Nein. Mir ging es um Naturerfahrungen, eigens erlebte und am ganzen Körper gespürte Erfahrungen in der Natur fernab jeder menschlichen Bevormundung. Auch wenn ich dieses Urproblem in meiner damaligen Einleitung etwas kompliziert (und im Original noch länger) ausgedrückt habe:
Auf unserer «naturentfremdeten Lebenshöhe» von der Beseeltheit unserer Mitwelt abgespalten, finden wir uns in einer fundamentalen Weltabgewandtheit wieder: Die Bewandtnisganzheit der uns tagtäglich umgebenen Geopsyche ist uns fremd geworden. Ihren Einfluss auf unsere leibseelische Existenz spüren wir kaum mehr. [...] Wir haben den Sinn für das Sein verloren.
Weder in unserem Selbst gefestigt noch dem Leben zugewandt, wirft uns die Natur in der immerwährenden Erneuerung ihrer Lebenskraft auf unsere eigene Sterblichkeit zurück. Wir nehmen sie als bedrohlich oder gar überlegen wahr. Um dies zu kompensieren, fehlt es uns an Weltverankerung wie Transzendenz. Wir leiden an der Unerfülltheit unseres Wesens und zweifeln gar an unserer Zugehörigkeit zum überweltlichen Sein. [...] Im Versuch, uns dieses «ohne-Macht-Seins» zu entledigen, initiieren wir «ein elementares Getriebensein zur Vermenschlichung und zur Anstimmung der Natur an eigene Stimmungen»: Wir verleugnen unsere genuine Naturbedürftigkeit.
Lieber gründen wir unsere zivilisatorische Vormachtstellung auf der Unterwerfung und Ausbeutung jeglicher Elementarkraft und verkennen dabei, dass die Isolation des Menschen von der Natur diesen auch von sich selbst isoliert. [...] Unsere Sehnsucht nach Einheit und Verwurzelung fände erst dann Anklang, hörten wir auf, die Natur, «wie in den großen Erlösungsreligionen, als etwas zu Überwindendes», anzusehen. Stattdessen sei in ein harmonisches, in Kreisläufen denkendes, mitseelisches Miteinander zurückzufinden.
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Und ja – keine Frage: Auch ich bin froh, heute nicht mehr so zu schreiben. Die Bachelorarbeit habe ich seit ihrer Abgabe vielleicht drei Mal aufgeschlagen – vor allem deshalb, weil ich nach dem Studium alles darangesetzt habe, diesen Wissenschaftsduktus möglichst schnell wieder loszuwerden. Sieht man jedoch einmal von Sprache und Universitätsverblendung ab, wird zwischen den Zeilen deutlich, dass mich schon damals – auch aufgrund der bereits klar erkennbaren politischen Agenda – eine tiefe Skepsis gegenüber all jenen Nachhaltigkeitsprogrammen umtrieb, die dem Menschen von außen auferlegt werden sollten. Ich selbst war immer schon für Umweltschutz, Artenerhalt, gesunde Böden und saubere Luft; als auch entsprechend gegen Plastik in Ozeanen, Nahrung, Kleidung oder Robbenhälsen, gegen die Ausbeutung der Natur als bloße Ressource sowie gegen den Wahnsinn von Rüstungsindustrie, Massentierhaltung und jeder anderen Form moderner Sklavenarbeit – also eigentlich gegen alles, was ein Mensch, ein Lebewesen, das – frei nach Albert Schweitzer – leben will inmitten von Leben, das leben will, wie selbstverständlich ablehnen sollte.
… Und es doch nicht tut. Wobei sich aus diesem «Und doch tut er es nicht» scheinbar zwei Überlegungen ergeben können: Die eine fragt – wie ich –, warum der Mensch das Leben verneint: in der Welt, aber allem voran in sich selbst. Sie versucht, anhand der Ursachen Lösungen zu finden, damit der Mensch seinen Mangel nicht länger kompensieren muss. Die andere Überlegung verfährt genau umgekehrt: Sie beschäftigt sich vor allem mit Lösungen, weniger mit den eigentlichen Ursachen. Sodass der Mangel als solcher zur primären Triebfeder werden muss, damit das kompensierende Element der «Lösungen» erhalten bleibt. Kurz: Die eine Haltung vertraut darauf, dass aus einem innerlich geheilten Menschen auch andere Handlungen und Bedürfnisse hervorgehen. Die andere versucht, durch äußere Lenkung ein Verhalten hervorzubringen, ohne dessen innere Voraussetzungen jemals auf ihre «Nachhaltigkeit» zu überprüfen.
Im Grunde ging es mir, damals wie heute, um die Freiwilligkeit des Einzelnen. Gleichzeitig scheint, damals wie heute, die einzige «Gemeinsamkeit» zwischen mir und jenen Gesellschaftskonstrukteuren darin zu bestehen, dass wir uns dahingehend einig sind, dass in dieser Welt etwas nicht ganz richtig läuft. Allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass sie diese vermeintlichen Abgründe immer weiter ausdehnen und inszenieren, die gefühlte Not der Menschen regelrecht missbrauchen. Nur um genau diese sich zunehmend klein und ohnmächtig erleben und ihr «Heil» folgerichtig bei Programmen und Institutionen suchen zu lassen. Während ich den Einzelnen gerade dazu ermutigen möchte, frei nach Nietzsche in diesen Abgrund zu schauen – eben weil ich glaube, dass er nur so die wahren Gründe seines Leidens erkennen und schließlich auch überwinden kann.
Auch hier: Ein Mensch, der leben will, weiß eigentlich, «dass wir in der abtrünnigen Art und Weise, in der wir derzeit auf die Welt zugehen, niemals ankommen werden.» Weshalb sich mein Blick schon damals weniger auf diese Feststellung richtete als auf die eigentliche Sorge, die sich aus ihr ergibt:
«… ob der Mensch nicht sich und sein Selbst aus dem Blick verliert. Sprich, sollten wir nur noch denken und aufhören zu fühlen, unser Menschsein verlören. Wie unser Kopf schließlich nach systematischen und logischen Erklärungen sucht, sehnt sich unser Herz nach Geborgenheit und Vertiefung. [...] Für mich wäre es ein trauriges Abtreten unserer persönlichsten Rechte und Pflichten, sollte von der Wissenschaft allein entschieden werden, worin menschliches Sein und Verantwortungsgefühl bestünde. ‹Die Wissenschaft› wird unser Gefühl des ‹Alleinseins› in keins des ‹All-Eins-Sein› wandeln. Sie hat letzteres aus der Welt gebannt und ersteres in uns angelegt.»
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Womit wir bei der anfänglichen Frage dieses Textes angelangt wären: Ankommen. Nur wo? Und bei wem? Oder.. was? Denn so sehr ich es jedem Menschen wünschen würde, dass er bei sich ankommt – auf der Erde – ist dies leider Gottes nicht die Norm. Wobei ich nie ganz weiß, ob wir bereits bodenlos, also ohne Wurzeln, auf diese Erde gelangen und uns das Erlangen dieser Wurzeln hier auf Erden zu schwer gemacht wird, als dass sich dies allein am Willen oder am Bewusstsein des Einzelnen festmachen ließe, warum er sich so entwurzelt fühlt, oder ob dieses Gefühl der Entwurzelung tatsächlich etwas ist, das uns erst im Laufe unseres Lebens widerfährt – im Sinne von Sozialisierung, Ökonomisierung oder Werbeplakattierung.
Ja, selbst wenn es einem Menschen aufgrund all der Asphaltierung in dieser Welt nicht vergönnt sein sollte, auf ihr Wurzeln zu schlagen, würde ich es ihm dennoch wünschen, dass er sein Gefühl von Heimat zumindest bei einem ihm geliebten Menschen verorten kann. Doch wie schwer, oder gar noch schwerer, selbst das ist – davon kann ich persönlich ein Lied singen, sofern ich dieses Thema nicht bereits in den Kapiteln «Berührung», «Schatten» oder «Projektion» meines Buches verarbeitet habe. Zumindest teilweise, als grobes Muster. … Was wiederum nichts daran geändert zu haben scheint, dass mich die Mail einer Leserin kürzlich mehr verärgert hat, als es mir lieb ist. Sie schrieb, kurz, knapp und aus dem Nichts, an einem Sonntagmorgen:
«Finde einen Partner, der Dich inspirieren kann und Dich aus der Depression zieht. Man braucht mindestens einen Verbündeten. Mache das zu Deiner obersten Priorität.»
Pause. Tief durchatmen und beschließen, sonntags keine Mails mehr zu lesen. Denn mal ganz abgesehen davon, dass ich dies höchst übergriffig und obendrein – was die Depressionsunterstellung anbelangt – als zutiefst fehlgedeutet empfinde, merke ich, wie mir schlussendlich diese Rollenzuschreibung an einen Partner am meisten aufstößt. Und weil es gerade passt und andernfalls womöglich wieder missverstanden würde, möchte ich an dieser Stelle noch den Punkt machen, dass ich mit «Heimat bei einem anderen Menschen finden» nicht meine, diesen Menschen entsprechend als Schuhbank, Garderobe, Kühlschrank, Massagesessel oder Servierwagen zu betrachten, sondern als lebendes Gegenüber, dessen Lebendigkeit uns an die unsere erinnert. Und damit nicht die Last schultern muss, unsere ganze Heimat sein zu müssen. Sondern vielmehr eine Art Leuchtturm für uns ist, wenn wir einmal wieder vergessen haben, wie sie sich anfühlt. Nicht als Ort, Mensch, Gewohnheit oder Geruch, sondern im Sinne einer Energie, einer Frequenz, einer gemeinsamen Schwingung, von der wir uns nichts Schöneres vorstellen können, als uns an einem Sonntagmorgen in sie einzuschwingen. Ob mit Mails oder ohne.
Denn ja, jemanden zu finden, bei dem wir vollends ankommen können ist schwer. Denn wie soll ein Mensch uns vollends in Empfang nehmen, wenn wir selbst uns nicht einmal annehmen können – vollends? Und vor allem: «immer».
Das wiederum ist der Punkt, von dem aus ich eingangs gefragt habe, ob sich die Daseinsberechtigung vieler kulturgeografischer Theorien nicht einzig und allein aus einer Lücke speist – dem Fehlen einer Heimat. Denn wenn ich mich an die damaligen Vorlesungen und Seminare über die «Praktiken» des Menschen zurückerinnere, darüber, wie er den «Raum» um sich anordnen und wählen würde… dann fand ich das immer wahnsinnig verkopft. Damals schon. Bei aller bis heute nicht geringen eigenen Verkopftheit.
Wobei ich aus eigener Erfahrung weiß: Verkopft bin ich immer da, wo mein Körper nicht zur Ruhe kommt. Wo ich mich im Alarmmodus, in ständiger Bereitschaft, im permanenten Funktionieren befinde. Überall dort, wo ich eben nicht ankommen kann. Wo ich mich nicht zu Hause fühle. Wo ich keine Heimat finde. Weder in Orten, Worten, Berührungen, Gesten noch Blicken.
Und das ist auch der Grund, weshalb der Begriff Heimat für mich mit an erster Stelle steht. Nicht in dem Sinne, als dass ich wie Odysseus überall permanent nach ihr suchen würde, sondern insofern, als dass ich mich darin übe, sie permanent überall finden zu können.
Heimat, schließlich, ist auch für mich mitunter ein Ort: mein Elternhaus, hier das Tessin seit nun fast fünf Jahren, einzelne Häuser von Freunden oder damals noch deren Eltern. Immer wieder jedoch frage auch ich mich, ob es wirklich die jeweiligen Orte – die Häuser, ihre Mauern, Fenster, Türen, Möbel, Gerüche und Lichteinfälle – sind, die mich dort jeweils zu Hause fühlen lassen. Oder ob es nicht doch die Erinnerungen sind, die mich mit diesen Orten zwar verbinden – die ich im Grunde jedoch auch überall dorthin mitnehmen könnte, wo ich bin. Und die mich letzten Endes auch frei darin werden lassen, nach einer tatsächlichen Heimat suchen zu müssen. «Zuhause» bin ich bei mir, in mir, in meinen eigenen ungeraden Wänden, durch die das Licht immer nur so weit einfällt, wie ich es gerade zu verkraften oder gebrauchen weiß.
Diese Freiheit weiß ich mittlerweile sehr zu schätzen. Der vor zwei Jahren noch zaghaft umschriebene «Halt in der Haltlosigkeit» ist zu einem Halt im Leben geworden. Ohne «Depressionen». Was mich sehr glücklich macht, erlebe ich selbst doch oft genug – oder sehe die Auswüchse in der Welt, wie Menschen, die eben keine Heimat haben, entweder weil sie sie nie gefunden oder nie gehabt haben oder sie gar verloren haben, ihr Heil immer und immer wieder in etwas anderem suchen – bei Ideologien, Institutionen, Konsum, Fortschrittsversprechen oder politischen Heilslehren. Was meines Erachtens auch ganz natürlich ist. Der Mensch sucht Heimat. Der Mensch braucht Heimat!
Sein Wunsch nach Heimat ist ein existenzielles Bedürfnis des Menschen, das selbst dann nicht einfach «verschwindet», wenn ihm eingeredet wird, diese Heimat sei nichts weiter als ein sozial konstruiertes oder gar «gefährliches» Konzept. Seine Sehnsucht verliert in dem Fall höchstens ihren Namen oder richtet sich auf besagte Ersatzheimaten. Während diese jedoch zeit ihres Lebens austauschbar, fragil und bedeutungslos bleiben werden, ist wahre Heimat nichts, was den Menschen in seiner physischen Existenz beklemmt fühlen lassen sollte.
Indem die Verneinung einer tieferen, metaphysischen Heimat den Menschen versklavt und ihn auf diese Weise nur noch empfänglicher macht für all das, was ihm Zugehörigkeit und Sinn verspricht, ist die Bejahung von Heimat das wohl Befreiendste für einen Menschen auf der Welt. Sie legt ihn in Ketten und befreit ihn zugleich von allen existierenden. Allein dadurch, dass sie ihm einen Grund gibt, auf dieser Welt zu sein. Auf ihr existent zu sein. Mit ihr ist es wie mit allen Bedürfnissen: Sicherheit ihr gegenüber entsteht nicht, indem wir unser Bedürfnis nach ihr abschaffen, sondern indem wir ihm – und damit auch ihr – wieder einen Ort geben. Indem wir unseren Wunsch nach Heimat nicht länger verneinen. Weder in der Welt, noch in uns.
PS: Eigentlich hatte ich für diesen Text noch deutlich mehr Material vorgesehen, für das ich nun gar keine Verwendung mehr gefunden habe. Dabei stellt sich mir an dieser Stelle eigentlich noch die Frage: Wie gelangen wir zurück in eine Weltbezogenheit, die nicht bloß gedacht, sondern gelebt wird? Ob ich darüber noch einen eigenen Text schreibe, bevor ich – wie zuletzt angekündigt – etwas zu Ayn Rands Egoismus veröffentliche und anschließend zu meiner eigentlichen Planung zurückkehre, weiß ich noch nicht. Und um ehrlich zu sein, hängt das auch ein wenig davon ab, was mich dieser Sommer hier noch erleben lässt. Stichwort: Halt im Leben finden. Denn eigentlich wie uneigentlich ist dieses Leben sehr, sehr schön.
Solange wir Leben sind, das leben will. Inmitten von Leben, das leben will.
Aufgepasst! Die nächsten Termine für Lesungen stehen fest:
am Sonntag, den 16. August ein zweites Mal in der Kreuzstr. 13, 35428 Niederkleen (bei Gießen). Die Lesung findet von 16 - 19 Uhr statt. Wer danach noch zum gemeinsamen Essen bleiben mag, ist herzlich willkommen.
am Donnerstag, den 20. August um 17 Uhr in 24794 Klein-Wittensee (Sande)
Am Mittwoch, den 02. September um 19 Uhr in Chur. Hohenbühlweg 4. Alle weiteren Infos unter www.urig-chur.ch.
Am Sonntag, den 06. Dezember in 90762 Fürth. Infos Folgen.
Alle Fragen und eventuelle Anmeldungen gerne an lillygebert@posteo.de (der Eintritt ist bei allen Lesungen frei, beziehungsweise, beruhen diese auf Spendenbasis).
Verfügst auch Du über einen geeigneten Ort, an dem 20 bis 50 Personen bequem Platz finden? Dann schreib mir – und vielleicht können auch wir uns schon ganz bald auf einen gemeinsamen Abend (oder Nachmittag) freuen.



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Wohl dem, der sein Herz spürt! Heimat ist für mich dort, wo sich mein Herz verbunden fühlt! Herzliche Grüße, Ralf
Liebe Mitmenschen, als Kind einer schlesischen Familie, die aus ihrer Heimat flüchten musste, und einer spanischen Familie, die im Bürgerkrieg nicht auf Francos Seite stand, und ebenfalls die Heimat verlassen hat, trage ich mich lange schon schwer am Gefühl der inneren Heimatlosigkeit, auch wenn mir selber das Schicksal der Flucht erspart geblieben ist. Mir hilft die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes, der freiwillig geht und schließlich, nachdem er bettelarm bei den Schweinen landet, wieder heimkehrt, zum Vater. Ich denke, das ist eine Geschichte über jede und jeden von uns. Wir haben auf spiritueller Ebene unsere Heimat verloren. Wir suchen sie am falschen Ort, wenn wir nur im Außen suchen. Ich weiß nicht, ob Philosophie, Politik, oder sonst etwas Menschengemachtes uns wirklich Heimat geben kann. Ich habe sie dort nicht gefunden. Auch nicht in der Beziehung zu anderen Menschen (auch wenn ich das in der Phase der ersten, verrückten Verliebtheit schon mal dachte ☺️). Ich denke und fühle, dass das Wahrnehmen von Heimatlosigkeit auch als Einladung verstanden werden kann, dich nach innen auf die Suche zu machen, zurück zu deiner wirklichen Herkunft, deinen wirklichen Eltern, um dann im Außen auch wirken zu können, und Heimat für dich und andere zu schaffen. Alles Liebe, Christina